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Arno Widmann leitet die Feuilletonredaktion der Frankfurter Rundschau.
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Arno Widmann leitet die Feuilletonredaktion der Frankfurter Rundschau.

Times Mager

Die Gabe

  • Arno Widmann
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In keinem OECD-Land geht die soziale Schere so geschwind auf wie in Deutschland. Seit Jahren wird konsequent denen gegeben, die haben, von denen, die nichts haben. Von Arno Widmann

Wer in diesen Tagen den Online-Auftritt der Frankfurter Rundschau anklickt, der stößt in der rechten Spalte auf die Titelseite unseres Blattes vom 10.11.1989. Ein Blick darauf lohnt sich. Die Grenzöffnung ist zwar der Aufmacher, aber von der Wucht der Ereignisse ist nichts zu spüren. Die entfaltete sich erst lange nach Redaktionsschluss.

Das zweite große Thema lautet: "Das Waldsterben geht unvermindert weiter". Die jüngeren Leser wissen heute wahrscheinlich nicht mehr, dass es einmal ein Waldsterben gab, dass die Aufregung darum ein nicht unwesentlicher Faktor bei der Entstehung und Erstarkung der Grünen Partei war. Statt eines Nachrufes auf den Wald, der in allen Redaktionen schon in den Schubladen lag, mussten sie in den letzten Jahren Nachrufe aufs Waldsterben veröffentlichen.

Ganz anders verhält es sich mit der Armut. "Sechs Millionen sind arm" schrieb die Frankfurter Rundschau vor zwanzig Jahren. Also jeder zehnte Bundesbürger. Nun, die BRD war trotz ihrer "Armut" immer noch reich genug, um eine deutliche Mehrheit der DDR-Bürger davon träumen zu lassen, Bundesbürger zu werden. Der paritätische Wohlfahrtsverband stellte damals fest, dass die Zahl der Langzeitarbeitslosen seit 1980 um über 500 Prozent auf mehr als 680.000 Menschen gestiegen sei.

Zwanzig Jahre später können wir sagen, dass eine Forderung von damals erfüllt wurde: Es gibt inzwischen Armutsberichte der Bundesregierung. In denen kommt das Wort Armut allerdings nur noch in "Armutsgefährdung" vor. Das waren 2005 - so die Zahl des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes - achtzehn Prozent der deutschen Bevölkerung. Innerhalb von sieben Jahren war diese Zahl um 50 Prozent angestiegen. Bei Kindern und Jugendlichen war gar ein Viertel armutsgefährdet. Ohne staatliche Sozialleistungen wäre - so die Bundeszentrale für politische Bildung - die Armutsgefährdung der Gesamtbevölkerung doppelt so hoch.

In keinem OECD-Land wächst der Abstand zwischen Arm und Reich so geschwind wie in Deutschland. Seit Jahren wird konsequent denen gegeben, die haben, von denen, die nichts haben.

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