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Oliver Kahn hat eine eigene Sicht auf die Dinge.   

Times mager

Wetter

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Fußball-Wetten sind Abzockerei? Von wegen. Oliver Kahn eröffnet ganz neue Perspektiven. 

Stammgast R., im Kaffeehaus als ehemaliger Jugendtrainer und Kenner des Fußballs geschätzt, verteidigte seine Erkenntnisse über die bitteren Niederlagen der Frankfurter Eintracht mit großem Engagement. Es handele sich um ein rein mentales Problem, das entnahm er 1) der Betrachtung der Spiele im Fernsehen, 2) seiner eigenen Fähigkeit, „ein Spiel zu lesen“, 3) den Stellungnahmen seiner beiden ebenfalls fachkundigen Söhne und 4) seinen Gesprächen in einem Wettbüro, wo er es ebenfalls ausschließlich mit Eingeweihten zu tun habe: „Alles Profis.“

Ob man heute noch „Wettbüros“ sagt, kann hier ungeklärt bleiben. Klar ist, dass Stammgast R. mit „Profis“ nicht etwa aktive Berufsfußballer meinte, sondern versierte Wetter, also sozusagen Leute, deren Wettervorhersage, ein Fußballspiel betreffend, ziemlich oft stimmt, was sie zwangsläufig als Kenner der Materie ausweist.

Zahlreiche Wettbüros operieren heute im Internet und betreiben erfreulicherweise während der Fußballspiele Werbung, also Aufklärung. Mindestens zwei Missverständnisse konnten dadurch ausgeräumt werden.

Erstes Missverständnis: Der Fußball sei, wie man es früher nannte, ein „Volkssport“, gehöre also irgendwie allen. Die schlagende Antwort eines Wettbüros, das sicher im Sinne aller Wettbüros spricht: „Das ist unser Spiel.“ Wie wir bereits im Fachblatt „Horizont“ lesen konnten: Es gehe schließlich darum, das „massive Invest“ in Profiklubs „in Bekanntheit und Sales umzumünzen“.

Dem gleichen Missverständnis („Volkssport“, Fußball für alle) setzt auch ein zweites Wettbüro klare Fakten entgegen, indem es sich sozusagen in die Fankurve einreiht und einen Chor anstimmt: „Wetten ist unser Sport.“

Als ganz besonderer Beitrag zur Aufklärung darf die Botschaft gewertet werden, die Oliver Kahn, vom Welttorhüter zum Wetttorhüter aufgestiegen, im Auftrag eines dritten Wettbüros vertritt. Er zeigt sich unter anderem in einem Kabinengang, und der Zuschauer wird über folgende Tatsache informiert: „Nur wer mitspielt, ist mittendrin.“

Böse Zungen behaupten: „Da werden Menschen motiviert zum Zocken, auch dahin gelockt zum Zocken“ (Ex-Fußballer Uli Borowka), auf dass das Wettbüro etwas zum Verdienen habe. Aber dieser Vorwurf verfehlt den gesellschaftlichen Auftrag der Wettbüros, den Kahn einmal brillant umschrieben hat wie folgt: „… dass auch jetzt hier in Deutschland Millionen Sportfans ihr Sportwissen auch nutzen können“.

Sehen Sie, das ist Spielkultur, und deshalb steht es im Feuilleton.

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