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Füllwörter einfach ausschalten! Wenn das mal so einfach wäre.
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Füllwörter einfach ausschalten! Wenn das mal so einfach wäre.

Times mager

Füller

  • Judith von Sternburg
    VonJudith von Sternburg
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Füllwörter: Das sind sie, aber wie gehen sie wieder weg?

Genau, ich will mal so sagen: Wenn der Zufall es will, dass man zuletzt viel mit einem Menschen zu tun hatte, der besonders häufig „genau“ sagt – also noch häufiger als unsereiner, vielleicht: jedes 20. Wort? –, dann landet man letztlich doch bei Doro Pluttes Youtube-Video „Ähm ... Also ... Genau! Wie wir Füllworte loswerden“. Dafür, sagt Doro Plutte (sagte sie vor zwei Jahren), gebe es leider keinen Schalter, das mache es schwierig, aber die gute Nachricht sei: es gehe. „Der Schlüssel dafür ist unser Bewusstsein. Das können wir aktiv steuern.“

Und während unsereiner borniert mit den Augen rollt, aber darum nicht schnell genug wegklicken kann, schiebt Doro Plutte doch noch ihren Fuß in die Tür und entwickelt einleuchtend eine Jagdtechnik. Es gilt dabei, den Füllwörtern (auch der Duden rät zu diesem Plural) auf die Spur zu kommen, was auf der Zeitleiste, an die wir alle ernst- und schicksalshaft gebunden sind, nicht so schwierig ist. Es ist wie – ein undidaktischer Vergleich, mit dem die ausgeglichen und sortiert wirkende Doro Plutte nie Videozeit verplempern würde – ein Handyspiel in der allerersten Runde: Männlein marschiert auf Linie entlang, langsames Monster kriecht vor ihm her, Männlein frisst langsames Monster. Das ist nur zum Einüben, schon kommt eine Kreuzung, von der aus ein Monster einbiegt, knapp hinterm Männlein, und das Monster ist gar nicht mehr so langsam. Und so weiter. Füllwörter sind auch keine Monster, Füllwörter sind sympathische, aber nutzlose Versuche, mit den Anforderungen direkter Kommunikation hirnmäßig fertig zu werden. Aber egal. Und vergessen Sie den Monstervergleich.

Doro Plutte schlägt nun vor, sich das Füllwort in der Mitte der Zeitleiste vorzustellen, sich immer näher heranzupirschen, bis es genau vor einem ist (gleich sag ich es, verflixt), und es aufzufressen. Nein, natürlich nicht aufzufressen, sondern zu vermeiden. Doro Plutte berichtet von einer Führungskraft, die ohne Unterlass „an dieser Stelle“ sagte. Sie habe dann immer auf den Tisch geklopft und er habe seine Frau zu Hause gebeten, das ebenfalls zu tun. Nach wenigen Tagen war’s weg. Füllwörter entwickeln sich sowohl individuell als auch kohortenweise. Jüngst auf einem Podium ballerten die Studierenden und der Journalist „genau“ in den Stream, eine Moderatorin war noch beim „halt eben“.

Es gibt von Doro Plutte viele Videos, die Menschen interessieren könnten (sollten). „Blickkontakt – wie Sie garantiert jeden im Publikum erreichen“, „So sehen Sieger aus – Körpersprache von Gewinnertypen“. Ironie im Spiel, aber man fühlt sich unwohl beim Weitergucken, weil man Angst hat, versehentlich die Methoden versierter Führungskräfte wiederzuerkennen. Ich will mal so sagen: bisschen peinlich.

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