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Der Führerschein verspricht für viele Freiheit.
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Der Führerschein verspricht für viele Freiheit.

Times mager

Führerschein

  • Judith von Sternburg
    VonJudith von Sternburg
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Ein Alptraum, wortwörtlich: Man soll Auto fahren, man hat sogar einen Schlüssel – aber weiß nicht, wie es geht.

Der sympathische Dienstleister – Diskretion und mögliche Wiedererkennungseffekte hindern uns daran, präziser zu werden, während die Präzision des Dienstleisters atemberaubend ist – erzählt, dass er in jedem Jahr den Tag feiert, an dem er seinen Führerschein gemacht hat. Das ist nicht lange her, sagen wir drei, vier Jahre, und zwar nicht, weil der Dienstleister so jung wäre, sondern weil er so spät den Führerschein gemacht hat. Es sei sein Tag der Freiheit, sagt er, der auf dem Land wohnt und seither manchen Weg bequem mit dem Auto zurücklegen kann. Er hat auch schon Auslandsreisen mit dem Wagen gemacht.

Wenn man jetzt selbst keinen Führerschein hat und auch weiß, warum (weil man zum Beispiel ein Angsthase ist und auf keinen Fall ein Auto lenken will), wird man gleichwohl nachdenklich. Dabei hat es neben etlichen Stunden an Bahnhöfen und einem eingeschränkten Blick auf den nahen ländlichen Raum nur zwei konkrete Folgen, nicht Auto fahren zu können. Die eine ist der wiederkehrende Alptraum – nicht sinnbildlich gesprochen –, man sollte ad hoc mit einem Auto fahren, hätte auch den Schlüssel, säße am Steuer, es pressierte, man müsste jetzt wirklich los. Aber da dämmert wieder die arge Erkenntnis, dass man überhaupt nicht weiß, wie das geht. Diesen Traum, Theaterkritikerinnen haben es nicht besser verdient, gibt es auch in der Variante: Man wird schon geschminkt, frisiert, kostümiert, aber Minuten, bevor man auf die Bühne muss, wird einem klar, dass es nicht reicht zu wissen, was in „Hamlet“ vorkommt, um Gertrud zu spielen. Beide Alpträume sind gleich schlimm.

Die andere Folge, nicht Auto fahren zu können, ist praktisch das Gegenteil davon. Neulich wieder zurück ins Parkhaus gesprungen, da der Fahrer etwas im Wagen hatte liegen lassen. Ohne ihn die Türen zu öffnen, überhaupt den Autoschlüssel in der Hand zu halten und zu wissen, dass Passanten davon ausgehen, dass das der eigene Wagen ist. Alt genug wäre man, weiß Gott. Ein großes Gefühl, das Gefühl, erwachsen zu sein und dazuzugehören zur Gemeinschaft der wagenlenkenden, tankenden, durch Waschanlagen rollernden und Versicherungen verfluchenden Menschheit.

Und doch ist dieses große Gefühl offenbar nur ein Bruchteil des Tags der Befreiung, wie ihn der Dienstleister erlebt hat. Es ist aber für alle Anwesenden schön, dass diese Wendung in diesem Zusammenhang noch etwas unpathetisch Positives haben kann.

Gegen all das lässt sich u. a. einwenden: Warum fährt die nicht Rad, die Pimpernelle? Es sind nicht nur die Ansprüche der Rechts-vor-links-Regelung, die dagegensprechen, wobei das ein nicht unwesentlicher Aspekt ist.

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