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Frühling

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Von: Sylvia Staude

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Zweieinhalb Millimeter müssen weg - und der Löwenzahn am besten auch. Mäh-Mensch auf Frühlingspatrouille.
Zweieinhalb Millimeter müssen weg - und der Löwenzahn am besten auch. Mäh-Mensch auf Frühlingspatrouille. © imago/JOKER

Frühlingstypen: Der eine ist mürrisch, er will Sommer, aber dalli. Der andere mäht schon einmal den Rasen, sei es um zweieinhalb Millimeter.

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Tiburtius kommt mit Sang und Schall, bringt Kuckuck mit und Nachtigall“: Morgen ist der Tag des Hl. Tiburtius von Rom und der mit ihm verbundenen Bauernregel, die besagt, dass es Mitte April ordentlich zu wachsen und grünen, tschilpen und zwitschern („Sang“), vereinzelt zu grillen und gartenfeiern beginnt („Schall“). Die Mutigen unter den Menschen hängen ihren Wintermantel in den Schrank. Die Kecken unter den Autofahrern klappen das Verdeck runter und holen sich noch schnell einen Schnupfen, ehe die Saison endet. Die Ungeduldigen stellen das Zitronenbäumchen nach draußen und finden es am Morgen erfroren. Die Vorsichtigen spähen unters Reisig, ob die Rosen schon ausschlagen. Und laufen dann mit einem blauen Auge herum. (Nein, das haben wir jetzt erfunden; sie laufen natürlich mit einer zerstochenen Nase herum.)

Der Mensch reagiert durchaus unterschiedlich auf den Frühling. Mürrisch der eine, denn eigentlich, so findet er, steht ihm nach dieser monatelangen grauen Zumutung namens Winter ein bisschen Sommer zu – aber was ist es morgens noch kalt, und so muss er auf dem Weg zur Arbeit eine Jacke anziehen, in der es ihm am späten Nachmittag zu warm ist. Und der Spargel ist auch noch viel zu teuer. Und der Igel unterm Laubhaufen hat jetzt mal auszuziehen, aber dalli, damit das Restlaub in die Grüntonne kann.

Wie aufgezwirbelt ist der andere, das englische Wort „Spring“ ist wie für ihn erfunden. Er mäht schon mal den Rasen um zweieinhalb Millimeter – und geht mit dem Unkrautvertilger auf Löwenzahnpatrouille. Er hochdruckreinigt („Schall“) die Steinplatten zwischen der Buchsbaumbeetumrandung – er hat dabei ein scharfes Auge auf einen möglichen Buchsbaumzünslerbefall. Er kontrolliert das Planschbecken auf Löcher und schrubbt den Grill, wenn er ihn nicht schon im Herbst geschrubbt hat.

Aber halt, schon treffen die ersten Warnungen der Freiluftsaison ein. Gesundheitsexperten haben herausgefunden, dass die gern zur Grillreinigung verwendeten Stahlbürsten Borsten verlieren können, die sich dann am Grill verstecken, ins Steak spießen, gegessen werden. Bei Magenschmerzen nach dem Grillen solle man den Arzt konsultieren. Die Dunkelziffer derer, die eine Borste wieder ausscheiden, ohne dass sie es merken, soll allerdings erheblich sein.

Die Experten weisen vorsorglich darauf hin, dass noch kein Fall bekannt ist, bei dem sich eine Borste in gegrilltes Gemüse gespießt hat. Die Saison hat noch nicht richtig begonnen, schon sind die Vegetarier fein raus. Außer, sie kommen ihren Rosen zu nahe.

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