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Endlich ist es wieder so weit: Putzen, feudeln, wischen.

Times mager

Putzsaison

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Die Frühlingssonne bringt es an der Tag: Der Frühjahrsputz steht an. Lust auf feudeln und wischen? Nö? Vielleicht macht das Beispiel Gera Schule.  

In diesen Tagen gilt es, sich von dem Schock zu erholen, den schräge Frühlings-Sonneneinstrahlung in der eigenen Wohnung auslösen kann. Sogar der Weihnachtskaktus sieht verstaubt aus, von den Reclamheftchen im Regal und von den Fenstern gar nicht zu reden. Auch die Sofakissen müssten gewaschen werden, oder besser das ganze Sofa. Aber wenn es eingeht, ist es plötzlich nur noch ein Anderthalbsitzer – für einen Erwachsenen plus ein Kind bzw. unter günstigen Umständen für zwei Leute, die beide ihre Frühjahrsdiät schon absolviert haben. Auch wieder deprimierend, hungrig Blickende auf dem Lieblingsmöbel. Immerhin wäre das Sofa sauber.

Der Privatmensch sagt angesichts von solchen Unwägbarkeiten vielleicht seinen Frühjahrsputz ab. Denn wer nicht feudelt und fegt, feuchtwischt und trockenschleudert, der macht auch nichts falsch. Hat nachher keine Schlieren am Fenster oder Wasserränder auf dem Echtholztisch. Er holt sich keinen Bandscheibenvorfall und fällt beim Abstauben der Deckenleuchte nicht vom Hocker, bricht sich nicht den Arm, kommt also im Grunde – nur eben mit gesundem Rücken und nicht eingegipstem Arm – zum gleichen Endergebnis wie der, der sich vorher noch schnell die Gesundheit ruiniert.

Die Geraer packen es trotzdem an. Vielmehr im Moment noch: sie planen, es vom 8. bis 21. April gemeinsam und mit Ausrufezeichen anzupacken: „Die Putzsaison hat begonnen!“ ist die „Medieninformation“ überschrieben, die die Redaktion just erreichte. In Gera wird der kommende bereits der 17. Frühjahrsputz sein, man sieht also, der Geraer bleibt dran.

Allerdings kann es offenbar nicht schaden, ihm einen kleinen Anreiz zu geben – dies erstmals in Gestalt eines „Goldenen Besens“, der zum „Wanderpokal“ werden soll. Ein Besen als Pokal? Nun ja. Aber womöglich wird er einmal so berühmt werden wie der DFB-Pokal. Voraussetzung wäre natürlich eine Frühjahrsputz-Liga, in der die Anzahl der gefüllten Müllsäcke mit der Zeit dividiert wird, die nachher die Mülltrenner brauchen. Oder so ähnlich. Mathematik ist nicht unsere starke Seite. Allerdings Fairness im Wettbewerb. Darum sollte von Anfang an der Transfer von Reinigungskräften untersagt werden. Auf dass nicht die reichen Städte den schlechter gestellten die Superputzer wegkaufen, Leute, die freigestellt werden von ihrer Tätigkeit als, zum Beispiel, Steuerbeamtin oder Straßenbahnfahrer, und spätestens am 2. Januar jedes Jahres das Training beginnen für den Kampf um den Besen.

Aber warum eigentlich nur ein Preis? Andere Städte könnten je nach ihren finanziellen Möglichkeiten die Blecherne Bürste oder den Diamantenen Wischmopp ausloben.

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