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Fernsehen wie verrückt vor dem Jahreswechsel machte deutlich, dass früher nicht alles besser war. 
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Fernsehen wie verrückt vor dem Jahreswechsel machte deutlich, dass früher nicht alles besser war. 

Times mager

Früher

  • Judith von Sternburg
    vonJudith von Sternburg
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„Mist“ war das schlimmste Wort, das dem jungen Ermittler einst einfiel. Von anderen Zeiten.

Da Vorsätze selbstverständlich erst im neuen Jahr gelten, konnte man neulich noch Fernsehen gucken wie verrückt. Zu sehen waren beispielsweise viele Folgen der „Schwarzwaldklinik“, einer Serie, deren schiere Existenz in der Zwischenzeit völlig aus dem Blick geraten ist. Der Grundton schien nun extrem undramatisch, die Kompetenz des Prof. Brinkmann trotz seines jovialen Lächelns überirdischer Natur. Dabei operierte er in diesem Moment nicht einmal, sondern las seinem Personal und der Gesellschaft überhaupt – Lokalpolitiker waren anwesend – die Leviten. Während ein Handwerker in einem Moment nachlassender Konzentration ruhig ein Werkzeug am Ort des Geschehens liegenlassen dürfe, so dürfe ein Arzt niemals etwas im Bauch einer operierten Person vergessen. Ein wichtiger Punkt. Wussow-Brinkmann trug ihn mit der für ihn charakteristischen Verbindung aus Nonchalance und Unfehlbarkeit vor. Klausjürgen Wussow wirkte in der Folge noch verhältnismäßig jung, früher hingegen wirkte er immer verhältnismäßig alt, aber wer Fernsehen guckte wie verrückt, reflektierte das nicht über Gebühr, sondern schaltete in ein drittes Programm, wo ein Grönlandwal durchs eisige Wasser pflügte. Grönlandwale können mehr als 200 Jahre alt werden. Sie sind so groß, dass sie im Film praktisch nicht zu begreifen waren. Zu sehen war immer nur ein riesiges Detail, der vollständige Wal blieb eine dunstige Überforderung. Nebenan ermittelte ein Polizeiruf-Team in der DDR. Normalerweise sind das Interessanteste daran die schmucken Inneneinrichtungen, diesmal aber rief der ausgesprochen junge Assistent des ungefähr uralten Ermittlers an einer Stelle heftig aus: „So ein Mist!“. Daraufhin wies ihn der Ermittler streng zurecht, das Aufbrausende ärgerte ihn offenbar so sehr wie die Oberflächlichkeit der Aussage und das Grobianische des Wortes „Mist!“ (das schlimmste Wort, das dem Assistenten spontan einfiel). Unsereinem tat der Assistent leid, und die Szene weckt unangenehme Erinnerungen daran, wie Frau B. und Herr F. in der Schule noch die Definitionshoheit darüber hatten, was defätistisches Gemotze war. Jungen Menschen nicht nur abzuverlangen, dass sie die Hausaufgaben machen, sondern dass sie sie auch noch strahlend optimistisch machen: Das war immer schon eine Gemeinheit.

Fernsehen wie verrückt vor dem Jahreswechsel machte deutlich, dass früher nicht alles besser war. Wir bleiben dran. Die jungen Verwandten, die beim Silvesterspaziergang zum Teil aussahen wie Kenny, Kenny aus „South Park“, kannten hingegen „South Park“ nicht. „South Park“ war ihnen offenbar auch schnuppe. Heute ist auch nicht alles besser.

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