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Dieser Hase muss nicht ausgewickelt werden. Schade eigentlich.
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Dieser Hase muss nicht ausgewickelt werden. Schade eigentlich.

Times mager

Frühe Ostern

Ist die Vorliebe für bunt schillerndes Schokoladenpapier von gestern? I wo. Es will aber sorgsam geglättet werden.

Da skandalöserweise bereits seit Faschingsdienstag alerte Schokoladenhasen im Verkaufsregal stehen, lohnt es sich, heute einmal eine Verpackungsfrage anzusprechen.

Teresa Präauer lässt den Erzähler ihres Romans „Johnny und Jean“ (nominiert für den Preis der Leipziger Buchmesse, in Kürze mehr dazu) an Folgendes denken: „Ich denke an die Erzählungen der Eltern, dass ihnen als Kinder im oder nach dem Krieg ein einzelnes Ding so wertvoll gewesen sei, ein einzelnes Stück Schokolade, ja. (…) Vielleicht habe ich mir meine eigenen Bilder dazu ausgemalt? Oder die Eltern haben ihre Erinnerungen stark ausgeschmückt? Wie sie die bunt schillernden Papiere glattgestreift und aufbewahrt haben, um sie später auf ein Blatt zu kleben.“

Der Erzähler staunt. „Wie soll ich durch die neue Welt gehen mit dieser aus der Zeit gefallenen Aufmerksamkeit für ein einzelnes glattgestreiftes Schokoladenpapier?“

Ein kluger Erzähler. Denkt er an ein einzelnes glattgestreiftes Schokoladenpapier, denkt er auch an den Tod und ruft mal seinen Vater an. Dennoch scheint sich für ihn (und die 1979 geborene Autorin?) in der Geschichte vom Glattstreifen, Aufbewahren, Aufkleben eines bunt schillernden Schokoladenpapiers eine schier unglaubwürdige Einzelsituation und Nachkriegsnot zu spiegeln. Dem muss man jedoch klipp und klar entgegenhalten: Welcher vernünftige Mensch hat noch nie im Leben ein bunt schillerndes Schokoladenpapier glattgestreift, aufbewahrt und aufgeklebt?

Wesentlich: die Form des Schokoladenhohlkörper

Dies ist eine anspruchsvolle Aufgabe, da je nach Form des zuvor damit umschlossenen Schokoladenhohlkörpers das Papier geduldig geplättet werden muss. Zwei Jahre lang arbeitete eine Restauratorin daran, einige der Rollen, die in einem alten Buddha gefunden worden waren, zu entrollen (einem Buddha, den man sich seit heute im Museum Angewandte Kunst in Frankfurt ansehen kann). Ein anderes Thema, aber handwerklich verwandt wie die Gobelinproduktion mit der Arbeit an der Strickliesel.

Es soll auch bloß deutlich werden, dass es nicht ohne ist, die Papierumhüllung eines zwanzig Zentimeter hohen Schokoladenhasens auf einem Zeichenblockblatt zu befestigen. Neben dem leicht gruseligen Effekt, dass gewissermaßen die Schokoladenhasenhaut gespannt wird, ist ein bunt schillerndes Schokoladenpapier speziell an den Rändern, wo der Farbaufdruck technisch ausläuft, von großer Schönheit. Aus kleineren Papieren lassen sich auch Segelboote falten. Sich damit nicht länger zu beschäftigen, ist keine Frage des Alters, der Reife oder der Auswahl. Man muss jetzt nur leider sofort ins Büro.

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