Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Judith von Sternburg ist Redakteurin im Feuilleton der Frankfurter Rundschau.
+
Judith von Sternburg ist Redakteurin im Feuilleton der Frankfurter Rundschau.

Times Mager

Freizeitspaß

Einmal mehr versuchen deutsche Soldaten, den Premier zu entführen. Zweiter-Weltkrieg-Spielen gehört zu den skurrileren englischen Sonntagsvergnügen für die ganze Familie. Von Judith von Sternburg

Am Samstag und Sonntag gegen 13.10 Uhr haben wieder deutsche Soldaten versucht, den Premierminister zu entführen. Es gelang aber, die Angreifer zu überwältigen. Ort der Vorfälle war die historische Severn-Valley-Bahnlinie in Shropshire und Worcestershire. Zweiter-Weltkrieg-Spielen gehört zu den skurrileren englischen Freizeitbeschäftigungen für die ganze Familie. Der Spaß basiert darauf, sich nach der Mode der 40er Jahre zu verkleiden (sieh an, es gab in den 40er Jahren eine Mode!), alte Lieder zu singen, Gasmasken bereitzuhalten und an der Imbissbude so zu tun, als sei das Essen rationiert. Toller Spaß.

Möglicherweise, informiert die Internetseite www.svr.co.uk, werden deutsche Soldaten Passkontrollen durchführen, jeder sollte seine Papiere dabeihaben. Banderolen auf der Homepage sagen an, dass das Rauchen auf den Bahnhöfen verboten ist und dass sorgloses Gerede Leben kosten kann. Ersteres ist unsere Gegenwart, wie sie leibt und lebt. Zweiteres war eine Kampagne, die einst britische Soldaten zum Beispiel vor den Umgarnungen von Damen wie Mata Hari warnte. Am Sonntag um 16 Uhr wurde der Union Jack gehisst, der toten Soldaten gedacht, und eine Trompete blies "Last Poste" dazu.

Wie man leicht sehen kann, kommt hier einiges zusammen: Ein seltsames Hobby. Eine Aufpeppung der Ereignisse (deutsche Invasoren auf der Insel), um es - noch spannender zu machen. Der obskure Reiz eines Ausnahmezustands. Die englische Kollektiverinnerung daran, dass der Zweite Weltkrieg zwar schlimm, aber auch eine Zeit der Bewährung und des Zusammenhalts war. Aus der Ferne ist es schrecklich naheliegend, den bunten Mix in einen Zusammenhang zu bringen mit dem engagierten britischen Irak-Einsatz. Vor Ort handelt es sich lediglich um einen bunten Mix aus Veteranen, Ausflüglern und Durchgeknallten.

Die Veranstalter des Wochenendes auf der Severn Valley Railway hielten es diesmal allerdings für angemessen, SS- und Hitler-Kostüme strikt zu verbieten. Einer der Organisatoren räumte zwar ein, dass die meisten Besucher ohnehin nicht wüssten, wie eine SS-Uniform aussehe. Man wolle aber die Gefühle der Veteranen nicht verletzen. Lassen wir es dabei bewenden, schon ist es ja wieder vorbei.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare