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"With a green passport, you can’t pass ports." Nicht nur die Farbe seines Reisedokuments kann einem Reisenden zum Nachteil gereichen.
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"With a green passport, you can’t pass ports." Nicht nur die Farbe seines Reisedokuments kann einem Reisenden zum Nachteil gereichen.

Kolumne

Fragen in s/w

  • Marie-Sophie Adeoso
    VonMarie-Sophie Adeoso
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Dumme Fragen? Gibt es nicht? Nur dumme Antworten? Nun ja, einige Fragen gibt es, deren Sinn sich uns nicht recht erschließt. Etwa einige von den 97, die mein nigerianischer Mann neulich beantworten musste, um verreisen zu können.

In der Schule haben wir gelernt, dass es keine dummen Fragen gibt, nur dumme Antworten. Nun gäbe es da aber doch einige Fragen, deren Sinn sich uns nicht recht erschließt. Mein Mann etwa hegte jüngst den Wunsch, zu verreisen und ignorierte die gesungene Warnung eines Landsmannes: „I’m Nigerian, I have a green passport. With a green passport, you can’t pass ports.“ Er wollte die Grenze passieren, nur 97 Fragen galt es dafür zu überwinden.

Wahrheitsgemäß verneinte er, jemals einen Autounfall oder eine Bombe gebaut zu haben, ein Terrorist oder Terroristen-Unterstützer, ein Kriegsverbrecher oder Junkie zu sein. Doch dann wurde es verzwickt: „Haben Sie irgendetwas anderes getan, weswegen man Sie als Person schlechten Charakters einstufen könnte?“

Wir dachten nach. Er überlegte, ob gelegentliche Unpünktlichkeit ein schlechter Charakterzug ist. Ich überlegte, ob gute Menschen schnarchen, fluchen oder blöde Fragen unbeantwortet lassen dürfen. Wir erwogen, die konsularische Service-Hotline zu konsultieren, befürchteten aber, dass uns dies als Charakterschwäche ausgelegt werden könnte und kreuzten nein an. Wenn es eine Lüge war, sind wir nun wirklich schlechte Menschen.

Doch mühen wir uns, Gutes hinter dummen Fragen zu vermuten. Wir wollen glauben, dass es gut gemeint, aber dumm gefragt war, wenn mal wieder ein Passant meinem Mann in die Haare greift und fragt, ob die echt seien.

Wir denken, dass es an den Farbeinstellungen liegen muss, wenn uns Rentner im Park fotografieren und erst dann die Frage nachreichen: „War doch in Ordnung?“ Wir wissen nicht, was man am besten auf die Frage nach dem Zusammenhang von Hautfarbe und Penisgröße erwidert und warum mein Mann zwar toll trommelt, aber nur durchschnittlich tanzt.

Er hat gelernt, dass man auch mit Menschen auskommen kann, die einem tote Spatzen als Snack anbieten – sowas esst ihr doch bei euch, oder? – und dass man, wenn ältere Männer auf dem abendlichen Nachhauseweg nach bezahltem Sex fragen, am besten einfach „Nein“ sagt. Oder sollten wir uns angewöhnen, Rückfragen zu stellen? Mit dummen Fragen kennen wir uns irgendwie besser aus als mit dummen Antworten.

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