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Drosten findet Van Halen gut.
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Drosten findet Van Halen gut.

Times mager

Fragekasten

  • Thomas Stillbauer
    vonThomas Stillbauer
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Darüber irgendwelche Worte zu verlieren, ist zwecklos. Worüber? Lesen Sie selbst!

Wenn zurzeit irgendetwas auf dem aufsteigenden Ast ist, dann ja wohl die Wissenschaft. Selten zuvor hielten die Millionen ihre Forscherinnen und Forscher so eng umschlungen wie gerade jetzt, da sie uns vor dem Virus, vor dem Verderben, vor dem Wahnsinn zu retten im Begriff sind. Wann hätte man je die Vor- und Nachnamen mehrerer Virologen sowie der Präsidentin des Deutschen Ethikrats auswendig gewusst?

Derweil fällt die Kunst im Vergleich mit der Wissenschaft enorm hintenrunter. Malerinnen, Musiker, Miminnen, Mehrfachbegabte verblassen mangels Zurschaustellungsmöglichkeiten wie die Eltern von Marty McFly auf den Familienfotos in „Zurück in die Zukunft“, Teil 1. Ein Trend, der offenbar nicht zum ersten Mal die Kulturwelt bedrückt.

Schon vor 119 Jahren warf sich „Die Werkstatt der Kunst – Organ für die Interessen der bildenden Kuenstler“ in die Bresche und hielt auf der Titelseite fest: „Während also die Wissenschaft den Begriff, das wissenschaftliche Verkehrsmittel, pflegt, pflegt die Kunst die elementarste Erkenntnisthätigkeit.“ Die Wissenschaft tue daher gut daran, der Kunst „nicht nur ein wohlwollendes, sondern das regste Interesse entgegen zu bringen“.

Christian Drosten musste das nicht erst gesagt werden. Der Mann, dessen Wort 2020 in Deutschland so viel gilt wie zuvor wohl nur jenes von Franz Beckenbauer zwischen 1974 und kurz nach 2006, ließ am Nikolaustag im Radio wissen, welche Art Musik er gern hört. Mendelssohn-Bartholdy, Bach (gespielt von Igor Levit), Purcell, den Hamburger-Schule-Helden Jochen Distelmeyer, die US-Hardrocker Van Halen. Stark anzunehmen, dass sämtlichen Genannten durch die lobende Erwähnung des Berliner Virologen erhöhte Aufmerksamkeit zuteil wird, wenn auch großenteils posthum.

Wie fanden Sie übrigens den „Begriff, das wissenschaftliche Verkehrsmittel“? Auf solch Schönes stößt, wer eigentlich auf der Suche nach einer dereinst beliebten Ratgeberrubrik in Zeitschriften ist, dem „Technischen Fragekasten“. Auch eine interessante Wortkonstruktion, aber das nur nebenbei. Vor 101 Jahren jedenfalls erhielt A. R. aus Breslau im „Technischen Fragekasten“ der Filmpostille „Der schwarze Bär“ folgende Antwort: „Über die lichtsparende Kinoblende irgend welche Worte zu verlieren, ist zwecklos. In Heft 12 der ,Photographischen Industrie‘ vom 19. März 1919 finden Sie darüber einen sehr ausführlichen Artikel und kann das wiederholte Lesen dieser Ausführungen dringend empfohlen werden.“

Die zugrundeliegende Frage von A. R. aus Breslau wurde nicht gedruckt. Heute sind Zeitungsredaktionen irgendwie netter zu ihren Leserinnen und Lesern.

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