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Foppen

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Von: Stephan Hebel

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Wer sich liebt, der – foppt sich auch?
Wer sich liebt, der – foppt sich auch? © Annette Riedl/dpa

Übers frisch Verliebtsein und über Wörterbücher – oder: wer neckt hier wen? Die Kolumne „Times mager“.

Zu einer Begegnung mit Jungverliebten kommt es auch nicht alle Tage. Im vorliegenden Fall waren die Jungverliebten, das darf gesagt werden, ohne ihnen zu nahe zu treten, mehr verliebt als jung, aber das macht gar nichts. Einerseits ließ die junge Liebe sie jugendlicher erscheinen, und andererseits verband sich die frischerwachte Lust an der gegenseitigen Zuneigung mit jenem Hauch von Abgeklärtheit, der nur durch eine gewisse Erfahrung in Verliebtheitsdingen entstehen kann.

Die reifen Jungverliebten verbanden das Wolkenschweben nicht nur mit ungeschmälerter Aufmerksamkeit für den gar nicht glücklichen Zustand der Welt, von dem sie allerdings die junge Liebe keineswegs beeinträchtigen lassen, sondern dem sie sich mit der Kraft ihrer neuen Zweisamkeit umso tapferer stellen wollten. Sie zeigten sich auch in der Lage, in dieser frühen Phase die Routinen einer lange eingeübten Beziehung ironisch vorwegzunehmen.

So bemerkte sie, die Jungverliebte, gern, dass er, der Jungverliebte, ein sehr schlagfertiger Mensch sei, gerade so, als sei sie seit Jahrzehnten mit seinen Eigenschaften vertraut. Zudem neige er dazu, die geliebte Person immer mal wieder zu „foppen“.

Hier nun allerdings geriet das Gespräch kurz ins Stocken, ja beinahe ins Stoppen. Foppen, warf jemand nach der Kunstpause ein, bedeute das nicht so etwas wie „narren, nasführen, täuschen, anschmieren“ oder gar, Verzeihung „verarschen“ (Digitales Wörterbuch der deutschen Sprache)? Wolle die Jungverliebte, so der nun ins unangenehm Belehrende herabrutschende Frager, etwa dem Wörterbuch der Brüder Grimm widersprechen, in dem es unzweideutig heiße „Foppen … kommt zuerst in der 2. Hälfte des 15. Jh. unter den Gaunern vor“ – womit ganz sicher nicht das Foppen als solches gemeint sei, das unter den Gaunern sicher keine Seltenheit sei, sondern auch das Wort, das es beschreibt?

Die Jungverliebte, in nachsichtiger Überlegenheit lächelnd, sagte nur: „Und ich dachte immer, ,foppen‘ heißt so etwas wie ,necken‘.“ Der Jungverliebte aber, der dem Rechthaber das Feld so gar nicht überlassen wollte, hatte zugleich sein Telefon hervorgeholt und eine eigene Internet-Suche eingeleitet. Mit ruhiger Befriedigung las er aus dem Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache vor, was der Daherredende unterschlagen hatte: „Foppen, Vb., ,necken, veralbern‘ (17. Jh.), zuerst (15. Jh.) belegt in der Bedeutung ,schwindeln, lügen‘.“

Der klug Daherredende gab mit den Worten nach, er sei halt noch im 15. Jahrhundert gewesen „und ihr schon im 17“. Der Friede in der kleinen Runde war damit vollständig wiederhergestellt.

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