Am 1. Oktober trat in Österreich das strenge Anti-Gesichtsverhüllungs-Gesetz, kurz AGesVG, in Kraft.
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Am 1. Oktober trat in Österreich das strenge Anti-Gesichtsverhüllungs-Gesetz, kurz AGesVG, in Kraft.

Times Mager

Folgen des Anti-Gesichtsverhüllungs-Gesetzes

  • Sylvia Staude
    vonSylvia Staude
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Ein Hai, der sich entblößen muss? Ein Hase, bei dem dann doch Gnade vor Recht ergeht? Das gibt es seit 1. Oktober nur in Österreich.

Eine Schlagzeile, die durchaus Fragen aufwerfen kann, lautete dieser Tage: „Polizei zwingt Hai sich bei McShark Promotion zu entblößen.“ Denn erstens, sollte die Polizei nicht vielmehr dafür sorgen, dass auch Haie, zumal wie hier in Fußgängerzonen, die Schicklichkeit wahren? Zweitens, wie entblößt sich ein Lebewesen, das üblicherweise nicht einmal eine Badehose trägt? (Außer vielleicht, die Badehose ist ihm zwischen den Zähnen hängen geblieben. Sehr ärgerlich übrigens für den Hai, den ja vor allem seine Zähne und dank dieser auch Brecht/Weill weltberühmt gemacht haben.) Verständlicherweise sträubte sich der Hai. Er soll darauf hingewiesen haben, dass er schließlich nur seinen Job mache. Er muss nun dennoch 150 Euro zahlen.

Keine Strafe gab es dagegen für einen hellblau-türkisen Hasen, der sich auf den Stufen zum österreichischen Parlament herumtrieb. Auch er wurde von einer Wiener Streife kontrolliert. Waren es seine flauschigen Ohren, die die Polizistenherzen erweichten? Waren es seine großen, bebrillten Augen, mit denen er treuherzig aus Fanbildern guckt? Allemal haben die Beamten offenbar als Kinder keine Märchen vorgelesen bekommen oder selbst gelesen, denn sonst hätten sie gewusst, dass man bei unüblichen, irgendwie außermenschlichen Ohren- und Augendimensionen wachsam sein muss: „Ei, Großmutter, was hast du für große Ohren!“ – „Dass ich dich besser hören kann.“ – „Ei, Großmutter, was hast du für große Augen!“ – „Dass ich dich besser sehen kann.“ Auch ein Hase hat ja übrigens große Zähne.

Es handelt sich zudem bei der Ausnahmegenehmigung für den helltürkisblauen Hasen eindeutig um einen Fall von Diskriminierung von Haien zugunsten von Tieren, die man gefahrlos streicheln kann, weil sie in der Öffentlichkeit vorgeben, Vegetarier zu sein. Allerdings erfüllt der Hai nicht die Kriterien, um nun bis vor den Europäischen Menschengerichtshof ziehen, äh, schwimmen zu können. Er müsste erst aufrecht gehen lernen und sich wenigstens eine Badehose anziehen.

Seit am 1. Oktober in Österreich das strenge Anti-Gesichtsverhüllungs-Gesetz, kurz AGesVG, in Kraft trat, darf man gespannt sein, welches als Maskottchen einfach nur seinen Job machende Tier der Polizei noch unangenehm auffallen wird. Auch beginnt ja demnächst die lustige Faschingszeit. Ebenso beginnt ja bald ernsthaft die kalte Jahreszeit. Eine Radfahrerin mit vor Nase und Mund gebundenem Schal wurde bereits von österreichischen Beamten gestoppt.

Eigentlich zielt das neue AGesVG auf Burkas und Niqabs. Nur wollte man das nicht direkt so formulieren. So hat man jetzt den Salat.

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