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Der Fluss, die Freiheit, zum Greifen nah.
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Der Fluss, die Freiheit, zum Greifen nah.

Times mager

Fluss

  • Stephan Hebel
    VonStephan Hebel
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Frisch getestet: Die „neue Freiheit“, ein erster Versuch.

Vorm Balkon der Fluss, fast zum Reingreifen nah, die Ferienwohnung liegt perfekt, das Wetter stimmt, die Hände haben wir am Eingang desinfiziert, am Ufer geht eine Nilgans auf und ab. Sie ist allein und trägt einen Ring am Fuß. Vielleicht irgendwann aufgelesen und handaufgezogen? Was weiß ich, wer will schon spekulieren, aber es tut gut, die Fantasie ein bisschen flanieren zu lassen.

Die Nilgänse, wird der Wirt auf dem umgebauten Boot am Rand das Städtchens später sagen, sind eine Plage, sie greifen die Jungen unserer Enten und Schwäne an. Kaum hat er es gesagt, geht ein wildes Gekreische los, aber die Gruppe einheimischer Männer am Stehtisch verliert die gute Laune nicht, die Nilgänse haben nur einen Artgenossen halbtot gehackt.

Ja, wir sind in der Außengastronomie, wie wir das neuerdings nennen, der Test war negativ, die Premiere nach langer Pause nicht, und der Wein, gleich hier hinter der Landstraße angebaut, schmeckt doppelt gut, wenn der freundliche Wirt ihn bringt.

Der Balkon geht fast genau nach Süden, die rechts untergehende Sonne bringt den grünen Wald links, wo die Weinberge pausieren, zum Strahlen. An einer Stelle am Hang scheint er fast in Gold zu leuchten, aber der nächste Morgen bringt es an den Tag, es sind braune, tote Fichten. Als wollte er erklären, woran die Fichten gestorben sind, fährt ein Lastkahn vorbei, voll beladen mit tiefschwarzer Kohle. Urlaub!

Jemand hat ziemlich leichtfertig geschrieben, der Rückgang der Corona-Zahlen bringe uns eine „neue Freiheit“. Ein großes Wort für eine Wirklichkeit, in der der örtliche Apotheker vor dem Einkaufszentrum am Rand des Städtchens ein Zelt aufgebaut hat, in dem wir uns testen lassen, um am idyllischen Ufer des Flusses nach gewissenhafter Registrierung ein Glas Wein zu trinken und dem sanften Tuckern des vorbeigleitenden Kohlefrachters zu lauschen.

Und doch, der Mensch ist wohl so, empfinden wir genau das als zutiefst entspannend, erleichternd, ermutigend, den toten Fichten zum Trotz. Wir vergessen nicht, was die Kohle den Fichten tut. Aber im Genuss der sonnigen Tage und des Weins, beim Durchwandern der immer noch ziemlich grünen Wälder, beim Betrachten der Entenfamilie, die in friedlicher Koexistenz mit den Nilgänsen lebt, sammeln wir die Kraft, uns frisch getestet einer Welt zu stellen, die noch zu retten sein wird, wenn wir die Augen offen und die Kampfeslust wach halten, ohne das Genießen zu verlernen.

Dann, irgendwann, ergäbe es sogar einen Sinn, von „neuer Freiheit“ zu schreiben.

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