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Times Mager

Am Fluss

  • Harry Nutt
    VonHarry Nutt
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Am Tempelhofer Damm fließt der Verkehr, unten durch den Teltowkanal das Wasser. Der eine spült Menschen an, der andere lässt ihre Herzen aufgehen. Erbauer von Shopping-Malls nutzen das aus. Von Harry Nutt

Der Verkehrsfluss am Tempelhofer Damm, den die Berliner schnoddrig abkürzend T-Damm nennen, ist stockend. Wer hier fährt, will meist nur weiter, aber man kommt nicht recht voran. Die Südfahrt in Richtung Zossen, die Theodor Fontane und einige Protagonisten seiner Romane noch im Kremser vollzogen, ist ein zähes Unterfangen.

Manches links und rechts der lärmenden Ausfahrtstraße besitzt historisch anmutende Patina wie das Ullstein-Haus oder das Ufa-Gelände, das einst Produktionsstätte der Babelsberger Traumfabrik war und später zum Treffpunkt der alternativen Szene wurde. Juppi und die Seinen erfüllten sich hier ihre WG-Träume, aber darüber hinaus lädt südlich des Tempelhofer Feldes wenig zum Verweilen ein.

Der Stadtteil ist in Bewegung, und das ist keineswegs eine posttraumatische Folge der turbulenten Flughafenschließung, die weit über den Bezirk hinaus für politischen Aufruhr sorgte. Das Wasser des dort liegenden Teltowkanals steht still, aber die Spundwände sind bereits gezogen.

In wenigen Wochen soll hier der so genannte Tempelhofer Shopping-Hafen eröffnen. In ein altes Getreidelager, vor dem sich ein vom Kanal abgezweigter See erstreckt, sollen etwa 70 Läden einziehen: Sparkasse, Media- Markt, Edeka, Hennes & Mauritz, C & A, das übliche Klientel. Tempelhof goes Hamburger Speicherstadt.

Was sich am T-Damm Platz verschafft, ist nicht zuletzt die Kanalisierung der Gefühle. Das Wasser des Teltowkanals soll der Garant sein für eine Mediterranisierung des Einkaufens, zu der man sich sogleich Shorts und Ray Ban-Sonnenbrille vorstellt. Die Werbeanimatoren haben sogleich kleine Segelyachten hineinkopiert, die hier wohl ewige Flaute haben dürften. Tuckernde Ausflügler verdrängen indes jetzt schon das Wasser des Teltowkanals.

Der Speicher zitiert kulturgeschichtlich die Kaufmannstradition der Hanse, aber das Wasser rührt an anthropologische Ressourcen. Der Zugang zur Wasserstelle bedeutete gesichertes Überleben, und wenn unser Herz bei Wohnlagen mit Blick aufs bewegte Blau höher schlägt, dann ist es die Aussicht auf den Lebensquell, der Behaglichkeit spendet. Die Erbauer von Shopping-Malls wissen so was und leiten um, was fließt.

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