Waschmaschine mit Wäsche
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Waschmaschinen machen nicht immer das, was sie sollen.

Times mager

Flusen

  • Thomas Stillbauer
    vonThomas Stillbauer
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Heimlich wurden brave Waschmaschinen, die einfach wuschen, durch Apparate ersetzt, die lügen und streiken.

Hallo und herzlich willkommen zu einer weiteren Folge unserer lockeren Reihe „Dein Haushaltsgerät und Du (und der Typ vom Kundenservice“).

Zunächst etwas Unerklärliches. Mehrmals war hier von einer Personenwaage die Rede, die seit Autorengedenken tut, was sie soll: Personen wiegen und das Ergebnis digital darlegen. Das Versprechen lautete: zwölf Jahre mit ein und derselben mysteriösen Energiequelle. Das wurde mittlerweile bekanntlich um zehn Jahre übertroffen, aber jetzt kommt’s: Eine Leserin meldet, sie besitze das gleiche Gerät, Marke Korona, seit mehr als drei Jahrzehnten.

Damit ist bewiesen, dass Zeitreisen längst gängig sind, denn Sie wollen uns doch nicht ernsthaft erzählen, dass man 1990 Energiequellen kannte, die länger vorhalten als beispielsweise ein Arbeiter:innen-, Bauern- und Bäuerinnenstaat. Damals kannte man doch nur Energiequellen, die nach Gebrauch länger strahlen als 10 000 CDU-Vorsitzende, und solche, die so lange brennen, bis alle Gletscher geschmolzen sind. Ergo muss jemand aus dem Jahr 2870 zurückgekommen sein, sich ein Bild verschafft und vor Schreck zwei oder noch mehr Koronen hier vergessen haben.

Jetzt noch etwas Unerklärliches: Da wir wissen, dass Zeitreisen möglich sind, muss jemand aus dem Jahr 1527 beschlossen haben, unser Waschmaschinenwesen zu revolutionieren. Sie oder er ersetzte brave Automaten, die wuschen und schleuderten, durch fiese Apparate, die lügen und streiken.

Auf das Problem angesprochen, dass unsere neue Waschmaschine weder die zugesicherte Höchstwaschdauer einhält noch am Ende zuverlässig abpumpt oder gar schleudert, schickte uns die Herstellerfirma einen Herrn, der zunächst darlegte, dass seine Arbeit keine Garantieleistung sei, sofern sich herausstellen sollte, dass das Problem nicht im Inneren der Maschine liege, sondern außerhalb, etwa in einem verstopften Abflussrohr.

Na? Was, glauben Sie, fand der Herr heraus? Richtig. Der Maschine sei kein Vorwurf zu machen; unser Abflussrohr sei sicher verstopft. Das könne er nun zwar reinigen. Doch werde dies Kosten nach sich ziehen, fast genauso hoch wie der Preis für seine bloße Anfahrt, der bereits vermuten ließ, dass er in einer goldenen Kutsche unterwegs ist, gezogen von zwölf Einhörnern aus einem Stall am Fuße des Regenbogens.

Dass Abflussrohre verstopften, liege übrigens daran, dass in modernen Waschmaschinen keine Flusensiebe mehr verbaut würden, beschied der Typ vom Kundenservice und fuhr mit unserem Geld davon. Unser Abflussrohr war blitzsauber, wie sich fünf Minuten später erwies. Wir denken jetzt oft an Flusensiebe.

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