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Die Kugel Schokoeis ist gleich vor der Eisdielentür auf den Gehsteig geplatscht? Schweinebraten!

Times mager

Vom Fluchen

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Ach, der schöne Pomadenhengst ist rausgeflogen aus dem Duden. Wegen Nichtgebrauchs. Glücklicherweise werden andere Schimpfwörter noch munter gebraucht.

Es gab einmal einen kleinen Jungen (und diese Geschichte ist wahr), der fluchte, wenn ihm etwas stark missfiel: Schweinebraten! Schweinebraten! Mancher, der den kleinen Jungen nicht näher kannte, meinte, er müsse sich verhört haben. Wie, Schweinebraten? Das soll ein Schimpfwort sein? Jahre später wurde der Junge Vegetarier, noch später Vater. Vielleicht gibt er das S-Wort ja an seine Kinder weiter. Vielleicht hat er aber auch längst vergessen, dass es für ihn einmal Ausdruck höchster Empörung war. Ein Erwachsener ist aus Versehen auf den kleinen gelben Bagger getreten (Lieblingsspielzeug!) und hat ein Rad abgebrochen? Schweinebraten! Die Kugel Schokoeis ist gleich vor der Eisdielentür auf den Gehsteig geplatscht? Schweinebraten!

Um beim Essen zu bleiben: Der Bayer schimpft über einen begriffsstutzigen Menschen, der sei „auf der Brennsuppn daher-gschwumma“. Beziehungsweise wehrt ab: „I bin doch ned auf der Brennsuppn dahergschwumma.“ Einen, der auf der Brennsuppe schwimmt, muss man sich auf karger Knochen-Suppengrün-Mehlschwitzbrühe strampelnd vorstellen. Jedenfalls nicht auf Fettaugen der Klugheit. Gewiss ist der Boden der Terrine zu sehen.

Und um beim Essgeschirr zu bleiben: Im Gegensatz zum Haferl Kaffee ist das Gifthaferl ein übler Mensch, auch Giftspritze genannt oder internettig, Troll. Oder Trump. Aus einem Gifthaferl bricht der Hass, da gibt es kein Halten mehr. Da hat man es lieber mit einem Gscheidhaferl zu tun (Besserwisser).

Gerade berichtete der britische „Guardian“, an der San Diego State University habe man herausgefunden (doch, Wissenschaftler müsste man sein), dass die Anzahl der ordinären Fluch- und Schimpfwörter in Romanen zwischen 1950 und 2008 um das 28-Fache zugenommen habe. Man sei zwar von einem Zuwachs ausgegangen, aber überrascht gewesen von seiner Höhe. Eine junge Autorin begründete entsprechenden Wortschatz in ihrem Roman so: „Das Leben enthält Fluchen. Wenn es zu einer Romanfigur passt, sollte es auch sein.“ Das leuchtet ein.

Die Duden-Redaktionsleiterin bedauerte in diesen Tagen, dass der „Pomadenhengst“ (Macho) wegen Nichtgebrauchs aus dem Nachschlagewerk aussortiert worden sei. Und schon Shakespeares wilder Caliban wusste, dass man diese Art der Wortgewandtheit immer brauchen kann: „Ihr lehrtet Sprache mir, und mein Gewinn ist, dass ich weiß zu fluchen. Hol’ die Pest euch.“

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