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Geht er, oder fliegt es?

Times mager

Flieger

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Nur die Älteren erinnern sich noch, dass man vor langer Zeit einmal von "Flugzeugen" sprach, wenn man Flugzeuge meinte.

Kollege S. wollte gerade von der sogenannten Currywurst im Sicherheitsbereich erzählen, als ihn schon jemand unterbrach und begann: „Letztens ist mein Flieger verspätet gegangen …“. Er kam nicht weit.

Mit vollem Recht drehte sich das Gespräch von nun an um die nicht mehr ausrottbare Formulierung „Mein Flieger geht“. Nur die Älteren erinnerten sich noch, dass man vor langer Zeit einmal von „Flugzeugen“ sprach, wenn man Flugzeuge meinte, wogegen die Jüngeren nicht ganz unberechtigt einwandten, selbst die Alten sprächen heute nicht mehr von „Fahrzeugen“ oder „Automobilen“, sondern von „Autos“.

Ein Einwand, den wiederum die Älteren aufs Vernünftigste ignorierten. Kollege S., einer von ihnen, trug stattdessen die Argumente gegen „Mein Flieger geht“ stringent und überzeugend vor.

So liege es auf der Hand, dass das Wort „Flieger“, gemessen am Begriff „Flugzeug“, eine Leichtigkeit vortäusche, die das Massig-Gewichtige dieser Maschinen, das eigentlich an deren Flugfähigkeit zweifeln lasse, zu ignorieren versuche. Die Köfferchenträgerchen, die die Phrase vom Flieger benutzten, kompensierten damit die Angst vor dem Absturz, die sie niemals zugeben würden, „und deshalb“, fügte S. hinzu, „behaupten sie ja auch, dass das Ding ,geht‘, obwohl es ja fliegt, falls es wirklich fliegt“.

Im Übergang vom Flugzeug zum Flieger sei ja immerhin eine Zeitlang von der „Maschine“ die Rede gewesen, die übrigens weder gegangen noch geflogen sei, sondern die man „genommen“ habe, warf jemand ein. Das sei ihm durchaus in Erinnerung, bestätigte S., zumal es ja Eingang ins literarische Werk von Max Goldt gefunden habe, und gleich zweimal („Okay Mutter, ich nehme die Mittagsmaschine“ bzw. „Okay Mutter, ich mache die Aschenbechergymnastik in der Mittagsmaschine“, beide 1999).

S. fügte noch hinzu, der „Flieger“ triefe auch deshalb vor Schwachsinn, weil zum Beispiel der „Vielflieger“ gar kein Flugzeug darstelle, sondern jemanden, der oft im „Flieger“ sitze, vom „Ferienflieger“ (Reiseunternehmen) ganz zu schweigen.

Genau das, nämlich Schweigen, war der einzige Erfolg der S.’schen Tirade. Die Currywurst, sagte er noch, sei eine miese Pampe für vier Euro sechzig gewesen. Aber was solle man machen, im Sicherheitsbereich sei man ja fast schon so eingesperrt wie später im Fl… – und fast hätte er es ausgesprochen.

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