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Kolumne

Fleisch und Heil

  • VonChristian Schlüter
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Am morgigen Sonntag, 9. Januar, wird Joan Baez 70 Jahre alt. Eigentlich hätten wir dieses Times Mager ihr und ihrem letzten Album widmen wollen, wäre da nicht die Sache mit Gott, seinem Sohn und des Märtyrers Himmelfahrt dazwischen gekommen.

Des Times Magers vornehmste Chronistenpflicht wäre es an diesem Samstag gewesen, auf den 70.Geburtstag hinzuweisen, den Joan Baez morgen begeht, und damit auch noch einmal ihr musikalisch-politisches Schaffen zu würdigen, ihren Einsatz für Bürgerrechte und Gerechtigkeit, ihren lebenslangen Kampf gegen den Krieg und den Hunger, kurzum ihr seit über 50 Jahren währendes Engagement für eine bessere Welt.

Nun ja, und weil es in den letzten Jahren etwas ruhiger um die große Folksängerin geworden ist, hätte hier auch ein kurzer Hinweis auf ihr letztes Album gut dagestanden, „Day After Tomorrow“ heißt es und stammt aus dem Jahre 2008. Es enthält Interpretationen ihrer Lieblingssongs, darunter auch den bemerkenswerten Titel „God is God“ von Steve Earle, seines Zeichens Countrysänger mit starkem Hang zu linksliberalen Ansichten und wie Baez ein erklärter Gegner des amerikanischen Imperialismus...

Dieser Steve Earle, und jetzt schweifen wir vollends ab, hat uns mit dem Gotteslied nicht nur seinen Glauben erklärt („Even my money keeps telling me / It’s God I need to trust / And I believe in God / But God ain’t us“). Auf sein Konto geht noch ein anderer Gottesbegriff, im Jahre 2003 intonierte er mit dem „John Walker’s Blues“ keine Whisky-Hymne, sondern versetzte sich in die Rolle des amerikanischen Taliban-Kämpfers John Walker Lindh: „And I believe God is great, all praise due to him / And if I should die, I’ll rise up to the sky / Just like Jesus, peace be upon him / A shadu la ilaha illa Allah / There is no God but God“. Ganz schön mutig. Folgerichtig wurde Earle der „unpatriotischen“ Umtriebe bezichtigt.

Jetzt könnte uns das Wort „unpatriotisch“ umstandslos zu Joan Baez zurückführen... Tut es aber irgendwie nicht, weil die Sache mit Jesus und der Märtyrer-Himmelfahrt auf den Tisch gekommen ist. Hier sind das Irdische und das Himmlische auf jeweils sehr drastisch-drakonische Weise miteinander verbunden. Der Papst sagte es jetzt auf seiner ersten Generalaudienz dieses Jahres so: „Die Menschheit des Sohnes Gottes, sein Fleisch ist Werkzeug des Heils.“ Jesus – Taliban – Werkzeug – Fleisch – Peng – Himmelfahrt! Dabei hatte dieser Tag so friedlich, ja feierlich angefangen.

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