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Times mager

Fleisch

  • Stephan Hebel
    VonStephan Hebel
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Produkte für blutige Anfänger und für eingefleischte Vegetarier.

Das Kaffeehaus ist sicher keine Pionierstätte des Veganismus, und unter echten sowie gelegentlichen Stammgästen soll es durchaus Vorbehalte gegen die Einführung der Hafermilch gegeben haben. Unter den Nichtstammgästen wurden jedoch eindeutige Wünsche in diese Richtung laut, und die (die Gäste) sind nun mal jünger als die Stammgäste erster oder auch zweiter Ordnung und noch dazu weiblicher.

Da das Kaffeehaus auch ein Ort großer Liberalität ist, begriffen die echten sowie die Gelegenheits-Stammgäste schnell, dass das Schlürfen von Hafermilch-Latte durch Studentinnen oder deren Professorinnen am Nebentisch den Genuss tierischer Eier im Glas ebenso wenig stört wie den Verzehr von Wurstbrötchen, in deren Belag qua Definition Reste von Kühen oder Schweinen enthalten sind.

Inzwischen outet sich sogar gelegentlich ein Stammgast dergestalt, dass er zugibt, kurz vor dem Renteneintritt erstmals eine Scheibe veganer oder zumindest vegetarischer „Wurst“ verzehrt und – nun ist das „Ah“ und „Oh“ groß – ja, genossen zu haben.

Jüngst also verkündete Kollege S. stolz seine Ersterfahrung mit immerhin vegetarischer „Lyoner auf der Basis von Ei“, die der echten Lyoner Wurst geglichen habe wie – haha – ein Ei dem anderen. Allerdings verdarb Kollege T. dem Glücklichen sehr schnell die Premierenfreude, indem er bemerkte, das könne auch daran liegen, dass in der „echten“ Lyoner ebenfalls keinerlei Fleisch enthalten sei. Was hiermit, um etwaigen Interventionen der Fleischer:innen-Innung vorzubeugen, vorsorglich in aller Form dementiert wird, auch wenn keine belastbaren Informationen zur Sache vorliegen.

Jedenfalls beteiligte sich nun auch der jüngere Kollege F., ein Vegetarier, am Gespräch. Dem Kollegen S. rief er zu, die vegane oder vegetarische „Wurst“ sei, ebenso wie das Burger-„Fleisch“ aus Sojaprotein, lediglich „für Leute wie dich“ erfunden worden. Also für Menschen, die dem Genuss tierischer Produkte immer noch zugeneigt seien, sich aber wegen der Treibhausgase, die die Kuh nun mal in die Atmosphäre „pumpt beziehungsweise pupt“, in Zurückhaltung üben und ihren Geschmackssinn durch optische Ähnlichkeit täuschen wollten.

In den USA, erzählte Kollege F. weiter, seien die vegan oder vegetarisch nachgeformten Tierprodukte deshalb auch im Wurstregal zu finden, um die noch werdenden Vegetarier ein bisschen anzufixen. In einem anderen Regal dagegen fänden sich, ganz frei von jeder Wurstanmutung, die Produkte für „eingefleischte Veganer und Vegetarier“. Bei dieser Formulierung stutzte Kollege F. kurz, bevor er vor Lachen fast die Hafermilch vom Cappuccino prustete.

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