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Times Mager

Flau(bert)

"Flaubert, c'est moi!", hob Nobelpreisträger Orhan Pamuk an, als ihm die Ehrendoktorwürde in Rouen verliehen wurde. Doch weit gefehlt, wer Tollkühnes danach erhoffte. Von Ina Hartwig

Von INA HARTWIG

An Flaubert haben sich schon viele Schriftsteller abgerackert, warum? Ganz einfach, weil er einer der großen Meister unter den Erzählern der literarischen Moderne ist. Flaubert habe die Literatur u.a. durch den Gebrauch des Präteritums so sehr revolutioniert wie Kant die Philosophie durch seine Kategorien, schrieb Proust. Nun hat der türkische Nobelpreisträger Orhan Pamuk bekannt: "Flaubert, c'est moi!" - so die wohl nicht ganz ernst gemeinte Zuspitzung einer Dankrede. In Rouen, der Heimatstadt Gustave Flauberts, des Mannes, der über seine berühmteste Romanheldin äußerte: "Emma Bovary, c'est moi" -, in Rouen also nahm Orhan Pamuk jetzt die Ehrendoktorwürde der dortigen Universität entgegen.

Und zu diesem Anlass sprach er über "seinen" Flaubert; die Süddeutsche Zeitung hat die Rede dankenswerterweise in ihrer gestrigen Ausgabe abgedruckt. Pamuk über Flaubert: Das weckt Erwartungen. Und wer Flaubert nicht nur liebt, sondern sich zudem daran erinnert, wie kühn bis tollkühn (man denke an Kritikerpapst Sainte-Beuve, der Flauberts Talent nicht erkennen wollte) über diesen Giganten schon geschrieben wurde, der wird geradezu aus dem Häuschen geraten, wenn 129 Jahre nach Flauberts Tod der große Orhan Pamuk seine Stimme erhebt. Doch wie allzu brav, wie enttäuschend sind seine Anmerkungen! Müssen Rouens Bildungsbürger sich wirklich erklären lassen: "Flaubert gilt in der Literaturgeschichte als der von anderen Autoren meistbewunderte Schriftsteller"?

Außer, dass die Türkei in der Entwicklung der Moderne hinterherhinkt, erfährt man über Flaubert selbst kaum etwas Neues. Pamuk unterteilt den verehrten Autor in den Spötter wider das Kleinbürgertum einerseits und den Empathiker und Menschenfreund andererseits - um sich dann auf die Seite des zweiten zu schlagen. Die Einfühlung in die Seele seiner Protagonisten (eben: "Emma bin ich") hält Pamuk für das entscheidende Erbe. So flau ist Flaubert selten auf den Leib gerückt worden. Proust, auch er ein Spötter und Menschenfreund, hat Flaubert übrigens keineswegs nur geliebt. Nirgendwo in dessen Werk, ätzte er, fände man eine "schöne Metapher". Um dann ein Flaubert-Pastiche zu verfassen, das so beginnt: "Die Hitze wurde stickig."

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