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Versuchen Sie auch manchmal, ein Foto in der Papierzeitung größer zu ziehen?

Times mager

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Vieles, aber leider eben nicht alles findet man mittels Suchmaschinen. Tippen Sie mal „Hausschuhe“ ein, wenn Sie Ihre suchen.

Im Fitnessstudio war dieser Tage ein Männlein anzutreffen, gar schmächtig von Gestalt, ein Frottiertuch um die Hüften geschwungen sowie um den Bart, der ihm bis zu den Knien reichte. In der einen Hand trug er eine Flasche Duschgel, in der anderen einen Schlüssel, dem, und das war auffällig, das kleine Schildchen fehlte. Das Schildchen mit der Spindnummer. Er suche seit dem 17. Januar 2013, sagte der Bärtige mutlos, aber er finde seinen Schrank einfach nicht wieder. Die anderen, die mit den Muskeln, schüttelten traurig ihre im Verhältnis zum Bizeps winzig wirkenden Köpfe. Vielen war schon Ähnliches widerfahren. Da kommst du aus der Dusche, und das Schild mit der Spindnummer ist ab. Die meisten hatten Glück und stießen irgendwann auf ihre Klamotten. Aber der Bärtige, schlimm.

Das Problem ist halt: Du kannst heute noch nicht alles über die Suchfunktion lösen. So wie du manchmal probierst, ein Foto in der Papierzeitung größer zu ziehen, mit Daumen, Zeige- und Mittelfinger, aber vergebens, genauso hoffst du zuweilen für einen Augenblick, du könntest „Hausschuhe“ in die große Suchmaschine des Lebens tippen, und in 0,36 Sekunden hättest du 24,2 Millionen Ergebnisse, als Allererstes deine Schlappen, die du gestern Abend unterm Fernsehtisch hast stehen lassen.

Einst wusstest du das aus dem Kopf. Aber seit du dir immer weniger merken musst, seit du alles im Handumdrehen nachschlagen kannst, seither brauchst du ihn ja deutlich seltener, den Kopf, und kannst die gewonnene Zeit in deine Muskeln stecken.

Eine halbhohe Glaswand trennt im Fitnessstudio den Bereich, in dem Mister Universum seine Gewichte stemmt, von dem Bereich, in dem die Schmalhänse auf Laufbändern und Trimmrädern daran arbeiten, schmal zu bleiben. Oder nein, die halbhohe Glaswand trennt im Prinzip nicht, weder optisch noch akustisch noch olfaktorisch; de facto stellt sie nur eine Art Spiegel dar, in dem Mister Universum seine eigenen Muskeln betrachten kann, während ihm die Schmalhänse durchs Glas dabei zusehen. Nur kurz wunderst du dich darüber, dass du der einzige Spargeltarzan bist, der begeistert dem Muskelphänomen für seine Vorführung applaudiert. Im nächsten Moment steht der von der Natur und anabolen Steroiden Begünstigte vor dir und fragt, ob du den Bärtigen oben in der Umkleide kenntest? Der habe das auch mal gemacht. Danach sei das Schildchen von seinem Spindschlüssel unter mysteriösen Umständen beim Duschen verschwunden.

Wissenschaftler raten sowieso zum Sport im Freien, es sei denn, du hast was mit dem Rücken.

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