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Times Mager

Fische

Die Mauer, der Fall, ein Fall, 1989. Den Historiker beschäftigt die sanfte Revolution nunmehr im Kontext anderer Revolutionen, die er als "colour-revolutions" beschreibt. Von Harry Nutt

Die bleibende Szene aus den Berliner Novembertagen von 1989, so der britische Historiker Timothy Garton Ash, habe sich für ihn am Übergang Bornholmer Straße ereignet. Dort sei ihm ein ostdeutscher Bauarbeiter begegnet, ein Typ wie ihn sich die Chefideologen des Arbeiter- und Bauernstaates lieber nicht vorgestellt haben. Von der Sorte: viel saufen, viel meckern. Der Mann sei auf ihn zugekommen, habe die Arme in die Höhe gereckt und nur ein Wort gerufen: Freiheit!

Szenen wie diese werden derzeit vielfach ins Gedächtnis gerufen. Es gibt Kunst- und Fotoausstellungen, Erinnerungs- und Gedenkveranstaltungen. Die Mauer, der Fall, ein Fall, 1989.

Der Blick von außen ist dabei von besonderem Charme. Leute, die dabei waren und es doch anders gesehen haben, tragen zur deutschen Erzählgemeinschaft bei. Mit Cees Nooteboom und Timothy Garton Ash wurden am Donnerstag zwei der ergiebigsten Vertreter eines solchen fremden Blicks im Berliner Liebermann-Haus der Stiftung Brandenburger Tor einvernommen. Beide waren im November 1989 in Berlin, beide haben darüber paradigmatische Bücher geschrieben.

Es gibt keine deutsche Frage mehr, konstatierte Garton Ash, und leistete einmal mehr ein Stück Entlastungsarbeit für die deutsche Befindlichkeit.

Anstelle einer fortgesetzten deutschen Selbstvergewisserung wünschten sich Nooteboom und Garton Ash, mehr über Europa zu reden. Wie aus einem Aquarium eine Fischsuppe zu machen sei, könne man sich vorstellen, sagte Garton Ash. Angesichts Europas komme es nun aber darauf an, aus der Fischsuppe wieder ein Aquarium zu machen. Europa sei nun einmal auch ein Becken mit vielen komischen Fischen.

Den Historiker beschäftigt die sanfte Revolution nunmehr im Kontext anderer Revolutionen, die er als "colour-revolutions" beschreibt. Der friedliche Verlauf sei ein Charakteristikum gesellschaftlicher Umwälzungen von den Philippinen bis zur Ukraine gewesen. Nicht Willenskraft und Entschluss sind allein in der Lage, die Welt zu verändern, sondern auch die Kräfte des Nachlassens und Dableibens. Oder auch: Der Blick von außen als Beitrag zur Entmythologisierung von 1989.

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