Der Stinkefinger, vom sichtbaren persönlichen Gegenüber befreit, gilt nun dem Faschismus und nicht der Person eines einzelnen Salonfaschisten. Damit lässt sich arbeiten.
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Der Stinkefinger, vom sichtbaren persönlichen Gegenüber befreit, gilt nun dem Faschismus und nicht der Person eines einzelnen Salonfaschisten. Damit lässt sich arbeiten.

Times Mager

Ramelow und der Stinkefinger

  • Stephan Hebel
    vonStephan Hebel
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Die Feuilleton-Kolumne schlägt heute ein ausgewogenes Strafmaß für Bodo Ramelow vor.

Es hilft ja nichts, wir müssen hier noch mal auf unschöne Gesten zurückkommen. Stichwort: Stinkefinger. Und auf unschöne Wörter. „Widerlicher Drecksack“ zum Beispiel.

Beides hat eigentlich im Times mager so wenig zu suchen wie im Landtag des Freistaates Thüringen. Aber wie gesagt, es hilft nichts, der Ministerpräsident Bodo Ramelow hat dort dem Herrn M. von der AfD den oben genannten Finger gezeigt, um ihm gleich anschließend die oben erwähnten Wörter zuzurufen.

Strafe für Bodo Ramelow - Was gilt dann für Faschist Höcke?

Über das mögliche Strafmaß für Ramelow ist im Internet bereits heftig diskutiert worden, aber es kam so recht nichts dabei heraus, denn die einen fanden die Nummer super und die von der AfD eher nicht. Das war teilweise sehr lustig, zum Beispiel als der Faschist Björn Höcke sich den Scherz erlaubte, das Wort „Anstand“ in den Mund zu nehmen bzw. aufzuschreiben.

Ohne im konkreten Fall eindeutig urteilen zu wollen, soll hier darauf hingewiesen werden, dass verbale oder gestische Äußerungen im parlamentarischen Raum selbst dann unangemessen sein können, wenn sie exakt der Wahrheit entsprechen. Wie gesagt, das nur ganz allgemein, aber strafmildernde Umstände für Bodo Ramelow wollen wir schon gelten lassen, denn der Herr M. von der AfD ist ein enger politischer Freund des Faschisten Höcke.

Das Times mager schlägt deshalb unter Berücksichtigung aller Tatumstände ein ausgewogenes Strafmaß vor. Bodo Ramelow wird verurteilt, die folgenden Sätze so oft abzuschreiben, bis er sie im Schlaf aufsagen kann, ohne auch nur einen Mittelfinger zu heben:

Ramelow reagiert auf üblen Hetzter der AfD

Herr M. ist ein Salonfaschist. Herr M. ist ein Rassistenfreund. Herr M. ist ein übler Hetzer. Herr M. passt zu einem demokratischen Parlament so gut wie eine Gülleschleuder an die Trinkwasserquelle. Herr M. ist ein Demokratieverächter, also Demokratievernichter. Von Herrn M. sollten alle Demokraten die Finger lassen, sogar die mittleren. Und zuletzt, etwas komplex, schwer auswendig zu lernen, aber ganz wichtig: Für Politiker wie Herrn M. ist jede Beleidigung zu schade, denn der Dimension des Schadens, den sie anzurichten gedenken, werden selbst die härtesten Schimpfwörter nicht gerecht.

Das mit dem Finger ist trotz allem eine interessante Sache. Im Internet haben einige linke Parteifreundinnen und -freunde Ramelows als Zeichen der Solidarität Fotos von sich mit erhobenen Mittelfingern veröffentlicht, und siehe da, man hatte das Gefühl: So können wir es durchgehen lassen. Die Stinkefinger, vom sichtbaren persönlichen Gegenüber befreit, galten nun dem Faschismus und nicht der Person eines einzelnen Salonfaschisten. Damit lässt sich arbeiten.

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