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Der Fußballpfau ist eine ganz besondere Spezies.

Times mager

Wenn „DFB-Hotties“ Frauenfußball spielen

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Journalismusfrauen. Verblüffend, wie selten man das hört und liest. Oder Frauenlandwirtschaft. Oder Frauenarchitektur. Oder Frauenstraßenbau. Oder Frauenkrankenpflege. Na, merken Sie‘s?

Es ist Weltmeisterschaft, drüben in Frankreich, es ist Fifa-Fußballweltmeisterschaft. Alle schauen, alle spielen. Alle spielen verrückt. Denn es ist ja nicht einfach Fußball. Es ist:

Frauenfußball. Wenn es Frauenfußball ist, kommt es in gewissen Fachkreisen nicht in erster Linie darauf an, wie gut oder schlecht das Tor des deutschen Teams gegen die Chinesinnen geschossen wurde, sondern wie gut oder schlecht diejenige aussieht, die es schoss. In unserem Fall war es eine 19-Jährige, die von schreihalsigen Medien zunächst als „die Hübscheste“ gefeiert wurde, kurz darauf dann als „DFB-Hottie“, weil es, das Hottie, sich „so heiß“ auf seiner Instagram-Seite präsentiert und nach dem Tor 30 000 neue Follower hinzugewann. Und Followerinnen womöglich auch. So läuft das bei den:

Aus Fußball wird Frauenfußball und aus Frauen Fußballfrauen

Fußballfrauen. Wenn Frauen Fußball spielen, sind sie Fußballfrauen. Die Sportart heißt dann plötzlich nicht mehr Fußball, sondern Frauenfußball, und die Ausführenden sind Fußballfrauen. Ginge es beruflich um, sagen wir: Journalismus, den Frauen ausüben, dann wäre es folglich Frauenjournalismus, oder? Und die weiblichen Berufstätigen wären Journalismusfrauen. Verblüffend, wie selten man das hört und liest. Oder Frauenlandwirtschaft. Oder Frauenarchitektur. Oder Frauenstraßenbau. Oder Frauenkrankenpflege. Oder Frauenmalerei. Oder Frauenliteratur. Wir stellen fest, das ist dann sprachlich wieder etwas ganz anderes. Was man früher weitaus häufiger bei den Schreihälsen las, war ja:

Fußballerfrauen. Da ging es um die Frauen der richtigen, echten Fußballer, die wohlgemerkt nicht Fußballmänner genannt werden. Männer, die Fußball spielen, heißen Fußballer. Und ihre Frauen sollten möglichst hübsch aussehen. Das haben sie, jedenfalls in den schreihalsigen Medien, mit den Fußballfrauen gemeinsam. Wenn Fußballerfrauen nicht hübsch genug aussehen oder zu kluge Sachen sagen, kommen sie in den schreihalsigen Medien nicht vor. Das verkauft sich nicht so gut wie zum Beispiel schöne Tore, wenn sie von Männern geschossen wurden. Das Team nennt sich übrigens:

Mannschaft. Und zwar sowohl bei den Männern als auch bei den Frauen. Darüber kann man sich wundern, aber selbst die Spielerinnen nennen ihr Team so und haben auch eine „Mannschaftskapitänin“. Was ihnen selbst sicher nicht einfiele, ist die Bezeichnung „Fußballparalympics“, die ein paar sehr witzige Männer im Internet als Hashtag zur WM der Fußballerinnen verwenden. Solche Beiträge zu löschen, wäre ein Schritt, um nicht vom sozialen zum asozialen Medium zu verkommen. Das müsste eigentlich jedem einleuchten außer:

Fußballpfauen.

Mehr zum Thema:

Alles zur Fußball-WM der Frauen finden Sie in unserem Dossier.

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