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So ist das Leben nun mal.
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So ist das Leben nun mal.

Times mager

Wie es ist - Die Feuilleton-Kolumne

  • Sylvia Staude
    vonSylvia Staude
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Es ist nichts leichter als das? Nämlich einfach das Leben nehmen, wie sie ist?

Vom Fluss herauf kommt ein streitendes Paar, beide vermutlich kaum ein, zwei Jahre hinterm Abitur, beide in Shorts, Schlappen, einem Badetuch über der Schulter. Aber sie geht mit großen Schritten voraus, sie will Abstand herstellen, keinen Corona-Abstand, sondern einen Lass-mich-in-Frieden-Abstand, einen Du-kannst-mir-gestohlen-bleiben-Abstand. Er redet schon eine Weile auf ihren Rücken ein, jetzt ruft er, weit vernehmbar, und es ist weniger eine Frage als ein Befehl: „Kannst du das Leben einmal nehmen, wie es ist!“

Sie geht weiter, den Kopf gesenkt, die Schlappen patschen auf den Asphalt.

Was er aber meint, ist (da es nun mal keinen Standard gibt, das Leben zu nehmen, jedenfalls keinen Gold-, keinen Wahrheitsstandard, dem alle Menschen zustimmen würden): Kann sie das Leben nicht genauso nehmen und sehen, wie er es nimmt und sieht? Kann sie nicht – was auch immer das Problem ist, das zu ihrem Streit führte: zu viele Steine am Fluss, zu viele Mücken oder andere Menschen an der Badestelle, die Sonnenbrille davongeschwommen, die Sonnencreme im Auto vergessen, den Prosecco ebenfalls, das Selfie nicht vorteilhaft –, kann sie nicht trotz allem seiner Meinung über ebendieses Problem sein? Es würde alles (alles!) viel einfacher machen, würde sie ihm zustimmen, dass das Leben nun mal so ist, wie er findet, dass es ist. Und wäre er auch einer, der die Erde felsenfest für eine Scheibe hält, so müsste er sich nicht mit seiner Freundin streiten, würde sie die Erde sehen wie er: flach nämlich. Oder würde sie zugeben, dass man, also er, auch mal was im Auto vergessen kann.

Ebenso gut wie Nimm-das-Leben-wie-es-ist hätte der junge Mann der jungen Frau hinterherrufen können: Das Leben geht weiter, mein Schatz! Allerdings wäre es nicht ratsam gewesen sich zu entscheiden für (und er hat sich ja auch nicht dafür entschieden): Geh deinen Weg. Denn genau das tat sie ja gerade, immer schnelleren Schrittes und von ihm weg, Abstand suchend, zornig, wenn das laute Schlappedischlapp ein Anzeichen war.

Er indessen schien die Botschaft der Schlappen, die Botschaft ihres beschleunigten Ganges nicht zu verstehen (nicht verstehen zu wollen?). „Mensch“, rief er nun, „Mensch, musst du immer ...“ (hier blendet das Times mager aus Diskretionsgründen aus, geht es doch niemanden etwas an, was die junge Frau immer ...). Allerdings hatte es erneut damit zu tun, dass das Leben-wie-es-ist I (seines) nicht mit dem Leben-wie-es-ist II (ihrem) deckungsgleich war.

Das Leben, wie es ist, mischte sich nicht ein, ihm war es egal.

Times mager wurden exklusive Dokumente zugespielt. Sie zeigen, was Markus Söder wirklich über Andreas Scheuer denkt.

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