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Da war das Fett noch da.

Times mager

Fett weg

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Hasbergen bei Osnabrück steht vor einem Rätsel. Und jeder Mensch, dem die eigentümliche Geschichte zu Ohren gekommen ist, steht dort auch. Man begreift es nicht.

Über die kriminelle Szene von Hasbergen bei Osnabrück ist nicht viel bekannt, der Ort erscheint auf den ersten Blick durch und durch friedlich. Bislang ist die kleine Stadt im Niedersächsischen niemandem aufgefallen durch spektakuläre Verbrechen, durch gefährliches Bandentum oder raffinierte Trickbetrügerei.

Aber seit ein paar Tagen ist das anders, Hasbergen steht vor einem Rätsel. Und jeder Mensch, dem die eigentümliche Geschichte zu Ohren gekommen ist, steht dort auch. Man begreift es nicht.

Der Fall, um den es geht, geschah an einem Dienstag gegen sechs Uhr morgens auf einem Parkplatz an der Osnabrücker Straße, wo eine Imbissbude steht. Unbekannte brachen ein und stahlen ein Fass mit 200 Litern altem Pommesfett. Ein Zeuge will ein Auto mit ausländischer Nummer gesehen haben. Die Polizei spricht von etwa 50 Euro Schaden.

Wer tut Menschen so etwas an? Es gibt Ganoven, die stehlen Kupferdachrinnen oder schrauben Schienen ab, um das Metall zu verkaufen. Es hat auch schon Leute gegeben, die Leergut gestohlen haben, um Pfand zu kassieren. Alles schon da gewesen. Aber altes Fett?

Gibt es eine international agierende hochprofessionelle Altfett-Mafia, die möglicherweise Pommesfett europaweit klauen lässt und dann heimlich zu Energieriegeln presst oder frech zu Kosmetika umdeklariert? Oder steckt ein Einzeltäter dahinter? Ein knauseriger alter Treckerfahrer, der in diesem Augenblick kichernd in seinem Hasbergener Schuppen hockt, das Altfett siebt und in den Tank des Traktors umfüllt?

Man weiß es nicht. Hasbergen tappt im Dunkeln.

Bleiben nur noch die Perseiden. Möglicherweise helfen die. Gerade jetzt saust der jährliche Meteorstrom wieder an der Erde vorbei und überschüttet sie mit Sternschnuppen ohne Zahl. Es ist ja bekannt, dass man sich etwas wünschen darf, wenn man eine Sternschnuppe sieht. Und natürlich hilft das auch und immer. Also, ein Vorschlag Richtung Hasbergen: Vielleicht lässt sich das Verbrechen vom Parkplatz doch noch lösen, wenn alle 10 946 Hasbergener heute Nacht so ab zwei Uhr auf die Straße treten und in den Himmel blicken und sich ganz feste, feste wünschen ...

Aber das ist nur so eine Idee.

Die Perseiden werden auch Laurentiustränen genannt – womit sich der Kreis um den Hasbergener Altfettdiebstahl und den aktuellen Meteorsturm endgültig und auf wundersame Weise schließt. Laurentius war ein Märtyrer, den der römische Kaiser Valerian im Jahr 258 auf einem Rost, jedoch ganz ohne Zugabe von Fett, gebraten haben soll.

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