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Der Koran und sein Doppelcharakter.
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Der Koran und sein Doppelcharakter.

Times mager

Fetisch Wort

  • Christian Thomas
    VonChristian Thomas
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Der Glaube will dem Wortsinn gerecht werden, und der Dogmatismus, der stark ausgeprägt ist bei heiligen Texten, duldet keinen Widerspruch.

Repetieren ist eine sehr religiöse Form der Lesart. In der Wiederholung liegt überhaupt die Suggestionskraft von Ritualen. Denn Rituale sind angewiesen auf die Wiederkehr eingeübter Handlungen, sinnentleerte ebenso wie sinnstiftende. In diesem Zusammenhang ist es bemerkenswert, dass die Koran-Lektüre (unübersehbar) zu einer sowohl gewaltbetonten als auch friedfertigen Exegese führt.

In der Tat kann man diesen Hinweis auf den Doppelcharakter der Koran-Lektüre nicht oft genug wiederholen. So geschieht es auch in dem nebenstehenden Gespräch. In ihm gibt die Islamwissenschaftlerin Gudrun Krämer zu bedenken, dass der Koran, ebenso wie die heiligen Texte anderer Religionen, „kein einheitlicher, glatter Text“ sei, sondern dass er sich zu Gott und der Welt äußerst unterschiedlich und vor allem auch widersprüchlich äußere, nicht zuletzt zur Gewalt.

Nicht nur in diesem Zusammenhang, wohl aber in diesem äußert prekären Kontext gehe der Koran-Exegese eine entschieden historisch-kritische Auslegung ab, eine Lektüre und eine Kommentierung, die „systematisch nach den Umständen fragt, unter denen, wie Muslime sagen würden, bestimmte Passagen offenbart wurden.“ Dieses Versäumnis und in der Tat fundamentale Versagen ist eine Erklärung für die „Unbedingtheit eines wörtlichen Verständnisses“. Man könnte auch sagen: Die naive Lektüre anstelle einer aufgeklärten sorgt für eine bedingungslose, eine keinen Ein- oder auch Widerspruch duldende 1:1-Lesart.

Menschenfreundlich

Es ist geradezu menschenfreundlich, wenn die westliche Wissenschaft auf einem solchen Optimismus, der kritisch-aufgeklärten Auseinandersetzung mit den heiligen Texten beharrt. Diese optimistische Menschenrechtsstrategie ist nicht zu verachten, zumal sie sich konsequent die Mühe macht, den Gewaltstellen auch anderer heiliger Texte entschieden entgegenzutreten.

Fundamentalisten sind dagegen davon überzeugt, dass man sie an ihrer bedingungslosen Treue zum „Ur-Wort“ erkennen solle. In diesem Glauben vereinigen sie sich über die von ihnen unerbittlich gezogenen Religionsgrenzen hinweg. Der Glaube will dem Wortsinn gerecht werden, und der Dogmatismus, der, weltweit offensichtlich, bei der Koran-Lektüre, stärker ausgeprägt ist als bei anderen heiligen Texten, duldet keinen Widerspruch.

Diese fetischartige 1:1-Auslegung ist ein Dilemma mit entsetzlichen Folgen. Ist diese Ur-Treue aber nicht eine ur-religiöse Lesart? Gegen sie kann man nur eine Bildungsoffensive in den eigenen Reihen antreten lassen.

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