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"Toni Erdmann" wird es wohl auch bei der Lola-Preisverleihung schwer haben.
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"Toni Erdmann" wird es wohl auch bei der Lola-Preisverleihung schwer haben.

Times mager

Fesche "Lolas"

  • Daniel Kothenschulte
    VonDaniel Kothenschulte
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Die Nominierungen für den deutschen Filmpreis dokumentieren immerhin eine Trendwende.

Als das Festival von Cannes im vergangenen Jahr „Toni Erdmann“ aus dem Hut zauberte, erschien es der internationalen Filmwelt als das Beste, was dem deutschen Kino seit langem passiert war. Man ahnte aber auch: Im eigenen Land könnte dieser Ausnahmefilm ein Außenseiter bleiben. Wenn man die jährlichen „Lola“-Verleihungen zum Maßstab nimmt für das Selbstverständnis der heimischen Filmbranche, gelten Autorenfilme meist weniger als kostspieligere Arthouse- und Mainstreamproduktionen.

Das ist erklärlich: Seit der fatalen politischen Entscheidung, den höchstdotierten deutschen Kulturpreis von den potenziellen Empfängern in Mehrheitsentscheidungen vergeben zu lassen, haben es Minderheitenfilme schwer.

Dennoch sollte man die am Donnerstag verkündete Nominiertenliste nicht auf die Meldung verkürzen: „Die Blumen von gestern“ hängt mit acht Nominierungen den „nur“ sechsmal nominierten „Toni Erdmann“ ab. Maren Ades Film ist nun einmal im Großen ein Zweipersonenstück und kein Ausstattungsfilm. Nein, es sieht gut aus für Ade, deren Arbeit in allen wichtigen Kategorien berücksichtigt wurde.

Perlen im durchschnittlichen Kinojahr

Eine angenehme Überraschung sind sieben Nominierungen für ein weiteres Ausnahmeprodukt, Nicolette Krebitz’ urwüchsiges Drama „Wild“, das von seiner Produzentin Bettina Brokemper im letzten Jahr strategisch zurückgehalten wurde. Auch wenn der Film am Ende in den wichtigsten Kategorien gegen „Toni Erdmann“ unterliegen sollte, zeugt diese Anerkennung von einer Trendwende: Ohne den Durchbruch, den Ades Welterfolg dem Autorenfilm verschafft hat, wäre es wohl auch für den weniger erfolgreichen Geheimtipp „Wild“ schwerer geworden.

In früheren Jahren wäre wohl die Wohlfühlkomödie „Willkommen bei den Hartmanns“ nach vorne gestürmt, aber wer weiß? Gut möglich, dass Simon Verhoevens Hommage an die Münchner Willkommenskultur in der einzigen Kategorie, für die sie nominiert ist, an „Toni Erdmann“ vorbeizieht – dann wäre sie der „beste Film“ und alles sähe aus wie vorher. Die Coming-of-Age-Geschichte „Tschick“ und der „Problemfilm“ über eine Spätabtreibung, „24 Wochen“, dürften dagegen kaum Chancen auf den Hauptpreis haben, so sehr sich die Macher über die Nominierung freuen dürfen. Insgesamt sieht es gut aus für den 28. April, den Tag der Preisverleihung: Aus einem durchschnittlichen Kinojahr wurden mit „Toni Erdmann“ und „Wild“ zwei seltene Perlen gefischt. Und noch ein zweiter erfreulicher Paradigmenwechsel bahnt sich an: Die Hälfte der für den „Besten Film“ nominierten Filme wurde von Frauen inszeniert.

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