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Yoga sieht im Fernsehen immer so einfach aus, vor allem, wenn man beim Zuschauen etwas ganz anders macht.

Times mager

Fernseher

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Arbeiten, während der Fernseher läuft? Silvia Bovenschen konnte das. Bei uns funktioniert es nicht so gut.

In ihrem Buch „Älter werden“, das in den vergangenen dreizehn Jahren auch nicht gerade uninteressanter geworden ist, erwähnt Silvia Bovenschen beiläufig, dass sie oft und gerne den Fernseher einschalte, wenn sie nach Hause komme. Besucher befremde das dann, ihr selbst falle es kaum auf. „Leben in der Bude“, nennt sie das, und diese lang nicht mehr gehörte Wendung, die selbst beim Älterwerden immer noch älter ist als man selbst und auch als Silvia Bovenschen, während sie das schrieb, bringt es auf rührende Weise auf den Punkt.

Ein häufig beiläufig laufender Fernseher wird im Tatort und voraussichtlich auch beim Amtsbesuch im echten Leben und vermutlich sogar bei uns selbst – würden wir nämlich jemanden kennen, bei dem ebenfalls häufig der Fernseher liefe, aber das ist nicht der Fall – einen sozial schwachen Eindruck hinterlassen. Dabei ist die Frage wesentlich, ob es ein Vorteil ist, den Fernseher laufen zu lassen, während man versucht, etwas zu schreiben, beispielsweise. An dieser Stelle lautet die Antwort anders als bei Silvia Bovenschen, deren Konzentration sich durchs Weghören eher noch geschärft zu haben scheint, leider: Nein.

Denn natürlich ist es dann eben doch interessant, wie und wann Eva und Christoph nach ihrem Flugzeugabsturz in den Karpaten aus der Waldhütte gerettet werden können, und vor allem, was es für ihre Beziehung bedeutet. Und welche Beziehung? Kennen wir Eva nicht aus einem anderen Zusammenhang? Warum ist sie mit Robert verheiratet, der doch mit Miriam verheiratet war, und wie passt Christoph ins Bild? Denise hat sich unterdessen mit dem falschen Mann verlobt. Das ist so ein Moment, in dem man bei einer Telenovela wieder den Fuß auf den Boden bekommt, bei der es sich letztlich auch bloß um eine Aventiure mit Doppelwegstruktur handelt. Der beiläufig laufende Fernseher hingegen verwickelt einen jetzt in relativ einfache Yogaübungen, jedenfalls sieht es beim Zuschauen relativ einfach aus, und alternativ dazu lässt er einen darüber nachgrübeln, wie der französische Klassiker heißt, in dem ein hübsches Paar nebeneinander im Restaurant sitzt und sie vor Schuld weint und er sich von stoischem Personal Ente vorlegen lässt. Seit unsereiner von den Privatsendern abgeschnitten ist, hat sich das Grundniveau trotz allem erhöht.

Gerade wer beigebracht bekommen hat, beim Fernsehen diszipliniert zu sein (und zwischen 20 und 20.15 Uhr nicht einmal anzurufen, wenn es auf Leben und Tod geht), wird solche Bedürfnisse haben. Entspannend ist es zum Beispiel, gleichzeitig „Lumino City“ zu spielen. Ein Vorteil am Älterwerden. Unmöglich, wenn Kinder den ganzen Nachmittag am Bildschirm hängen.

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