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Muscheln, Postkarten, Schlangenhaut: Mitbringsel im Regal erinnern im Alltag an schöne Urlaube.
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Muscheln, Postkarten, Schlangenhaut: Mitbringsel im Regal erinnern im Alltag an schöne Urlaube.

Times mager

Ferien

  • Sylvia Staude
    VonSylvia Staude
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Wann sind wir endlich da? Wie weit ist es noch? Vernünftige Fragen auf einer langen Fahrt.

Die Fahrten in den Urlaub kamen dem Kind endlos vor. Und manchmal waren sie das ja auch, etwa in dem Jahr, in dem es von Oberbayern aus nach Holland an die See ging, weil das Kind Keuchhusten hatte. Wann sind wir endlich da-aa?, singsangte es von der Rückbank aus, wenn es nicht gerade husten musste, abwechselnd mit: Wie weit ist es noo-och? Und leider manchmal auch: Mir ist schlee-echt. Dann musste der Vater – schnell, schnell, sagte die Mutter, da seh ich einen Parkplatz! – rausfahren von der Autobahn, mit Tempo 180 und quietschenden Reifen ... und das ist nur wenig übertrieben. So wenig übertrieben wie die Beschreibung der Gesichtsfarbe des Kindes: grün. Krötengrün.

Man setzte die Fahrt fort. Manchmal um einiges erleichtert. Manchmal nicht. War es hilfreich, wenn die Mutter es mit Ablenkung versuchte? Ich sehe was, was du nicht siehst, und das ist rot. Menno, Mami, natürlich das rote Auto direkt vor uns – das ist zu leicht, ich bin doch kein Baby mehr. Schmollen schien auch gegen Übelkeit zu helfen, ein bisschen jedenfalls.

Außerdem half die Erwartung einer Raststätte, an der es ein Eis geben würde. Außerdem die Erwartung der Grenze, an der es Männer gab, die zuerst streng guckten, aber nicht mehr so streng, wenn sie das Kind auf der Rückbank sahen. Dann wandten sie sich wieder dem Vater zu: Haben Sie etwas zu verzollen? Nein, sagte der Vater. Die Mutter nickte dazu. Und schon machte der Mann, der gefragt hatte, der Mann mit einem Käppi fast wie dieser lustige Franzose im Fernsehen, eine lässige Handbewegung, und der Vater gab wieder Gas.

Wie aufregend aber, als es einmal auf einer Rückreise die Ausnahme von der Regel gab. Der Zöllner nämlich verlangte, dass auch das Köfferchen des Kindes geöffnet werde. Obenauf aber hatte das Kind den größten, den triumphalsten Fund des Sommers gelegt: eine Schlangenhaut. Der Kofferraumdeckel versperrte die Sicht auf das dramatische Geschehen, das war unfair. Aber das Kind glaubte dem Vater bei jedem Erzählen der Geschichte aufs Neue, dass der Zöllner fast ein bisschen grün im Gesicht geworden sei. Machen Sie zu, machen Sie zu!, habe er gesagt. Und das Kind murmelte verzückt: Machen Sie zu, machen Sie zu.

Zu Hause bekam die Schlangenhaut einen Ehrenplatz im Regal. Dort lagen schon die Muscheln von der holländischen See. Und die toten Käfer aus der Schweiz. Die kostbarer waren als die toten Käfer von zu Hause, obwohl sie sich verflixt ähnlich sahen. Und irgendwann lag da eine Silberdistel, stachelig und vor sich hin bröselnd. Da war das Kind älter geworden und hatte sie geschenkt bekommen von einem kleinen Schweizer. Es genügte, dass sie von Herzen kam.

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