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Die Punkband Feine Sahne Fischfilet: Cremig, geschmeidig? Egal, auf der Erfolgswelle sind sie auf jeden Fall.

Times mager

Feine Sahne Fischfilet und die Nöte von Bauhaus

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Cremig geht eher in Richtung geschmeidig als ölig. Wer cremig aufgestellt ist, zeigt sich gewandt, aalglatt dagegen nicht so. Was hat das mit Feine Sahne Fischfilet zu tun?

Gar nicht cremig scheint zuletzt das berühmte Bauhaus in Dessau aufgestellt, was auch immer man sich unter dem in den letzten Tagen stark hin- und hergewendeten Wort vorstellt. Die Vokabel cremig sorgte für Unfrieden zwischen den Partei-Bossen Robert Habeck (Bündnis 90/Die Grünen) und Christian Lindner (FDP). Ein TV-Zwist noch am Abend der Hessenwahl, bei Anne Will. Cremig! Aber was nur wollte Lindner damit über die Grünen sagen, über deren Programm, Politikstil, Profil? Es wurde nicht so ganz klar - musste aber wohl als ein Synonym für beliebig verstanden werden. Das war nun wahrhaftig erstaunlich, ist doch das Wort dort, wo es in den letzten Jahren verwendet wurde, nämlich in besonders coolen Milieus, als sinngleich mit gut, ja geradezu sahnig begriffen worden. Cremig geht eher in Richtung geschmeidig als ölig. Wer cremig aufgestellt ist, zeigt sich gewandt, aalglatt dagegen nicht so. 

Zuletzt war es die Band Feine Sahne Fischfilet, die das Bauhaus in größte Nöte gestürzt hat, Erklärungsnöte, die mit jedem Tag, an dem die Institution in Dessau die Öffentlichkeit suchte, größer wurden. Den Auftakt des Erklärungsnotstands bildete die Absage, der linksradikalen Punkband eine Bauhausbühne zu bieten, nachdem rechtsextreme Gruppierungen Proteste angekündigt hatten. Die Bauhausleitung wollte diese als unverhohlene Drohung verstanden wissen, als heraufziehenden Ausnahmezustand, denn sonst hätte die Direktorin des Bauhaus Dessau, Claudia Perren, wohl kaum auf ein besonderes Bauhaus-Merkmal hingewiesen. Nein, nicht auf das historische Erbe des Hauses als antikapitalistische Kunstschule während der Weimarer Republik wurde gepocht oder auf die der Industrie gegenüber geschmeidige Designschmiede. Nicht auf die renitente Bildungsanstalt, die von den Nazis 1933 geschlossen wurde. 

Vielmehr angemahnt wurde von Perren der Denkmalschutz, wie man bereits in der letzten Woche hören konnte, wodurch das Bauhaus mehr ins Gespräch gekommen ist als in vielen, langen Jahren zuvor. Zur Bauhaus-Affäre, ein Jahr vor dem 100-jährigen Bestehen, gehört auch, dass die Direktorin ihre Pressesprecherin vor die Tür gesetzt hat und anstelle der Punkband der gewiss geschmeidigeren Band Pur eine Bühne geben wird, eben die denkmalgeschützte Bauhausbühne. 

Richtig unbeschwert läuft es seit der Absage für Feine Sahne Fischfilet, für die es geschäftlich sowieso cremig läuft. „Wir haben die Zeit unseres Lebens“, sagt Sänger Jan Gorkow. Geht da eine Entwicklung infolge einer Absage runter wie Öl? Gar nicht zu reden von deren schauerlichen Hassbotschaften, für linksextreme Gewaltmilieus durch und durch sämig. 

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