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Hermes Phettberg, manch einem aus Zeiten bekannt, in denen er irgendwie künstlerisch bzw. sexuell performend durch Österreich marodierte.

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Den Älteren ist Hermes Phettberg noch aus aktiven Zeiten bekannt.

Im Kaffeehaus berichtete die Gastronomie-Fachkraft, die im Hauptberuf studiert, von einem Literaturseminar. Es sei um Honoré de Balzacs Erzählung „Sarrasine“ gegangen, und eine bestimmte Stelle (welche es war, sagte sie nicht) sei von einem Kommilitonen mit der durchaus treffenden Bemerkung kommentiert worden: „Voll der Flashback.“

Der Professor habe erwidert, dass in dem Buch kein einziger Fleischberg vorkomme, nicht einmal ansatzweise, aber der Kommilitone habe seinerseits darauf bestanden, dass man durchaus von einem Flashback reden könne, worauf der Lehrende erneut jedes Vorhandensein eines Fleischbergs dementiert habe und so weiter.

Ob und wie es zur Aufklärung des Hör-Unfalls kam, ist nicht überliefert, aber im Kaffeehaus sorgte er natürlich für ein großes Hallo. Kollege S. googelte mit seinem Telefon umgehend die Inhaltsangabe von „Sarrasine“. Er fand zwar auf die Schnelle keinen Hinweis, was mit dem „Flashback“ gemeint gewesen sein könnte (ein „Fleischberg“ fiel ja ohnehin aus), konnte jedoch mitteilen, dass es kaum einen besseren Anlass für folgenreiche Missverständnisse geben könne als ein Werk, in dem die Angebetete sich als Kastrat entpuppt „oder besser: erweist“, wie er hinzufügte.

Alle lachten, und Kollege S. fühlte sich ermutigt zu scherzen, mit einem derart positiven „Fettberg“ auf seine kleine Literaturrecherche habe er gar nicht gerechnet. Damit allerdings nahm das Gespräch fast zwangsläufig eine sehr scharfe Kurve, denn die Anwesenden erwiderten im Chor: „Ach Gott, Phettberg!“

Höchstwahrscheinlich hatten sie das Musikvideo zu „Metropolis“ gesehen, einem Werk der Metal-Band „Fäulnis“, in dem der mehr oder weniger nackte und nur begrenzt gepflegt wirkende Hermes Phettberg zu den folgenden Zeilen erst im Bett und dann im Rollstuhl posiert: „Hässlich und verkommen / Vergiftetes Blut durch die Blutbahn pumpt / Hässlich und verkommen / Jahrelanger Raubbau deinen Körper fickt.“

Den Älteren war Hermes Phettberg noch aus aktiveren Zeiten bekannt, in denen er, nach einer kurzen Karriere als „Pastoralassistent in der Erzdiözese Wien“ (Wikipedia), moderierend, einen Sadomaso-Verband gründend und irgendwie künstlerisch bzw. sexuell performend durch Österreich marodierte, sogar durch das österreichische Fernsehen.

„Aber zurück zu Balzac“, wagte die studierende Gastronomie-Fachkraft unvermittelt einzuwerfen, aber die Runde schien den Rückweg vom Phettberg zum vorübergehenden Kastraten nur schwer zu finden. Der Vorschlag, gemeinsam zu Balzacs 220. Geburtstag am 20. Mai Phettberg-Videos zu schauen, stieß auf keinerlei Resonanz.

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