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Times Mager

Fatwa

Fatwa - das erinnert an das Todesurteil Chomeinis gegen Salman Rushdie. Das jüngste Rechtsgutachten von Montaseri erinnert dagegen an gern vergessene islamische Werte. Von Natalie Soondrum

Der Begriff der Fatwa weckt in uns schlimme Erinnerungen. Besonders an das Todesurteil, das Khomeini 1989 über den Schriftsteller Salman Rushdie verhängte. Einen völlig anderen Charakter hat dagegen die jüngste Fatwa des Groß-Ayatollahs Montaseri. In seiner beispiellosen Verurteilung der Unterdrückung der iranischen Demokratiebewegung durch das Regime bringt er Werte auf den Plan, die der Westen heute kaum noch mit dem Islam verbindet: Freiheit und Gerechtigkeit. Er erinnert die Welt daran, dass die Verbindung von Glaube und Demokratie nicht nur ein christliches Privileg sein muss, sondern Anhänger jedes Glaubens einen kann.

Ja, es ist sogar wünschenswert, dass möglichst viele Religionen sich zur Demokratie bekennen. Dann tritt nämlich tatsächlich jeder Glaube an die zweite Stelle, und die Werte der Demokratie bilden die erste Grundlage des Zusammenlebens.

Nehmen wir dagegen den Mord an Marwa El-Sherbini im Gerichtssaal in Dresden. In der islamischen Welt ist sie zur "Kopftuch-Märtyrerin" avanciert. Und ja, unsere Gerichtsbarkeit hat sie und ihr Recht auf Unversehrtheit nicht schützen können. Hässliche Diskussionen flammen auf, ob die Tatsache, dass ihr Tod nicht zu einem gebührend großen Aufschrei in den westlichen Medien führte, nun Ausdruck von Islamophobie sei, oder doch "nur" eines "ganz anderen Kampfes der Kulturen". Weil etwa der Mörder ein Russlanddeutscher und kein gebürtiger Deutscher ist.

Würde nur auch hier im Westen, in Deutschland, eine ähnlich respektable Person aufstehen und noch einmal unsere Werte in einer so kultivierten Sprache und Form verkünden wie Montaseri die seinen in der Fatwa. Würde nur jemand aufstehen und aufschreien gegen die Partei, die der Mörder aus Dresden bewundert und noch einmal entschieden versichern, dass deren Werte die einer Unkultur sind.

Was hierzulande für primitive Ansichten über den Islam kursieren und die Möglichkeit eines Zusamenlebens verschiedener Kulturen - man würde sich wünschen, dass jemand Vorurteile wie das gegen das Tragen eines Kopftuchs mal so richtig laut und gepflegt übertönte.

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