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Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und die Schriftstellerin Chimamanda Ngozi Adichie beim Festakt zu den Ausstellungseröffnungen des Ethnologischen Museums, des Museums für Asiatische Kunst der Staatlichen Museen zu Berlin/Stiftung Preußischer Kulturbesitz und der Stiftung Humboldt Forum im Berliner Schloss.
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Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und die Schriftstellerin Chimamanda Ngozi Adichie beim Festakt zu den Ausstellungseröffnungen des Ethnologischen Museums, des Museums für Asiatische Kunst der Staatlichen Museen zu Berlin/Stiftung Preußischer Kulturbesitz und der Stiftung Humboldt Forum im Berliner Schloss.

Times mager

Fassaden

  • Stephan Hebel
    VonStephan Hebel
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Erinnerungskultur auf dem Stand der Dinge, aber in problematischer Umgebung: Frank-Walter Steinmeier im Berliner Humboldt-Forum.

Zum Amt des Bundespräsidenten gehört es, an möglichst passenden Schauplätzen zu reden. Wohl selten aber war das Verhältnis von Ort und Wort so spannungsgeladen wie an diesem Mittwoch: Wahrlich eine beachtliche Aufgabe, sich und dem Land hinter der Attrappe eines preußischen Herrschaftssitzes die Geschichte des deutschen Kolonialismus kritisch zu vergegenwärtigen.

Was Frank-Walter Steinmeier zur Eröffnung der Weltkulturen-Ausstellung im Berliner Humboldt-Forum sagte, verdient Beachtung. „Das Unrecht, das Deutsche in der Kolonialzeit begangen haben, geht uns als ganze Gesellschaft etwas an. Denn in unserem Land gibt es auch in der Gegenwart … Rassismus, Diskriminierung, Herabsetzung von vermeintlich Fremden.“ Wie offensichtlich das klingt, und wie weit es doch entfernt ist vom Stand des kollektiven Alltagsgedächtnisses!

Und auch das: „Die Erinnerung an den Holocaust steht der empathischen und bewussten Erinnerung an andere Ungerechtigkeit, anderes Leid nicht entgegen! Im Gegenteil: Die Gebrochenheit, die die Shoah uns hinterlässt, öffnet unseren Blick und weitet unser Herz für die Verantwortung vor der Geschichte.“ Eine Absage an alle, die zwischen dem Beharren auf der Einmaligkeit des Holocaust und dem angemessenen Erinnern an deutsche Kolonialverbrechen einen Widerspruch konstruieren.

So lassen sich die Aufgaben zeitgemäßer Erinnerungskultur (und ihrer Museen) angemessen markieren. Aber die als simple Kopie und gerade deshalb geschichtslos rekonstruierten Mauern, hinter denen Steinmeier sprach, drohen den Klang seiner Worte zu schlucken. Das neu erbaute Stadtschloss selbst stellt zu der Neuformierung des Erinnerns, für die das Staatsoberhaupt plädierte, einen mächtigen Widerspruch dar.

Steinmeier ist in seiner Rede mit diesem Widerspruch sehr gnädig umgegangen („So, es steht jetzt hier“). Aber der Neubau, daran ändert auch die „moderne“ Alibi-Fassade Richtung Spree rein gar nichts, muss geradezu als Dementi des Plädoyers für eine Öffnung des kollektiven Erinnerns verstanden werden.

Sicher spiegelt das Haus den Stand der Debatte zu einem früheren Zeitpunkt, über die Gestaltung wurde im Jahr 2008 entschieden. Aber es wird mehr brauchen als eine Rede, um diese Architektur in einer Weise zu nutzen, die sie zugleich überwindet.

Genau darum ging es an diesem Eröffnungstag, und genau darum wird es weiter gehen: die „Gefahr einer einzigen Geschichte“, vor der die Schriftstellerin Chimamanda Ngozi Adichie warnt, zu bannen. Dass auch die nigerianische Feministin und Literatin an der Eröffnungsfeier teilnahm, lässt ein wenig hoffen.

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