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Farce

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Von: Michael Hesse

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Wer hat‘s gesagt? Karl Marx war es, aber nicht als erster.
Wer hat‘s gesagt? Karl Marx war es, aber nicht als erster. © dpa

Der Hinterhofschläger und der Weltgeist.

Geschichte ereignet sich immer zweimal – das erste Mal als Tragödie, das zweite Mal als Farce. Karl Marx hat das am Anfang seiner Schrift „Der achtzehnte Brumaire des Louis Bonaparte“ geschrieben. Ihm wird das Zitat zwar immer wieder zugewiesen, in Wahrheit wiederholt er hier jedoch, was der Philosoph Georg Friedrich Wilhelm Hegel einmal gesagt hat.

Und hat er nicht auch recht? Wir denken an Boris Johnson, den früheren britischen Premier, der sich als Wiedergänger von Winston Churchill feiern lassen wollte. Das politische Leben Churchills war übersättigt an Tragödien, besonders tragisch endete sein Abgang von der Bühne der Weltpolitik. Kaum war der Zweite Weltkrieg aus britischer Sicht gewonnen, wurde der Mann der Blut-Schweiß-und-Tränen-Rede abgewählt.

Verweilen wir noch ein bisschen in London: 1979 wurde Margarete Thatcher zur britischen Premierministerin ernannt. Mit ihrer neoliberalen Politik setzte eine Zeitenwende ein, die noch in der Gegenwart spürbar ist. Thatchers eiserne Politik trieb viele Briten in die Armut und gipfelte in der Zerstörung der Gewerkschaften. Und auch sie spielt eine Vorbildrolle für eine heutige Politikerin: Liz Truss. Sie sieht sich als natürliche Nachfolgerin Thatchers und versuchte, mit einem hyper-neoliberalen Programm den obersten fünf Prozent noch mehr Geld in die Taschen zu spülen. War Thatchers Politik für viele eine Tragödie, wirken die Versuche von Truss wie eine Farce.

Aber auch der russische Präsident Wladimir Putin hat bei all dem Tragischen und dem vielfachen Leid, das er besonders den Ukrainern und Ukrainerinnen zufügt, einen Platz in diesem Reigen verdient. Ob sein Vorbild nun der russische Zar Nikolaus II. ist oder Peter der Große oder sogar Stalin höchstselbst, sie alle stehen für das große Leid in der russischen Geschichte.

Dem russischen Exil-Schriftsteller Viktor Jerofejew zufolge kommt die aktuelle russische Politik einer Farce gleich. Putin sei ein Hinterhofschläger, sagte er bei Anne Will in der ARD. Er wundere sich, so Jerofejew, der Putin besonders gut kennt, dass der „Westen“ diesen für einen rationalen Menschen halten würde. „Er ist kein schlauer Mann, sondern ein einfacher Bengel, der durch Zufall an die Macht gekommen ist.“ Den Krieg habe er angefangen, einfach weil er sich langweile.

Dem Kreml-Herrscher prophezeite er den raschen Untergang. Ganz Russland befinde sich in einem Todeskampf. „Es liegt schon im Leichenschauhaus.“ Ein Trost sei nur, dass aus der mutig kämpfenden Ukraine nun ein starkes europäisches Land werde. Eine List des Weltgeistes, würde Hegel sagen.

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