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Eine deutsche Komödie: Toni Erdmann

Times mager

Familienbande

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„Toni Erdmann“ ist für den Oscar nominiert. Wenn man in Spanien den Film schaut, eine deutsche Komödie, stößt man darauf, was Spanier und Deutsche dann doch unterscheidet.

Carlos Boyero weiß so manches übers Kino nicht, ist aber der Star-Filmkritiker von „El País“, der immer noch meistverkauften spanischen Zeitung. Der Schriftsteller Javier Marías, der übrigens auch regelmäßig für „El País“ schreibt, nennt Boyero nicht Kritiker, sondern „opinador“, was sich mit „Meiner“ übersetzen lässt: Er hat zu jedem Film eine Meinung, wenn er sie auch nicht begründen kann. „Ich lese seine Kleister-Prosa mit enormem Nutzen“, schreibt Marías über Boyero. „Ich vermeide gewissenhaft die Filme, die ihn ‚bewegen‘ oder die bei ihm ‚ankommen‘. Unfehlbarer Dienst, den er mir leistet, tausend Dank dafür.“

Vielleicht hat Marías jetzt eine Ausnahme gemacht. Denn Boyero nahm sich gerade Maren Ades „Toni Erdmann“ vor, der in diesen Tagen in den spanischen Kinos anläuft, und lobte dessen „Beobachtungsgabe“, die „Mischung aus Realismus und Surrealismus, Groteske und verborgener Zärtlichkeit“. Alles richtig. Aber Boyero schrieb auch, dass er zunächst skeptisch gewesen sei angesichts einer „deutschen Komödie“, denn „dieses Genre gehört nicht zur Tradition des deutschen Kinos“. Boyero weiß vielleicht nicht, dass neun der zehn erfolgreichsten deutschen Filme der letzten 50 Jahre Komödien sind, vom „Schuh des Manitu“ über „Fack ju Göhte“ bis zum „Bewegten Mann“. Die meisten dieser Komödien sind nie in spanischen Kinos gelaufen, weswegen Boyeros Ahnungslosigkeit in diesem Fall verziehen sei.

Humor scheint freilich schwer zu übersetzen zu sein. „Toni Erdmann“ hatte im Madrider Kino, in dem ich den Film jetzt sah, viele laute Lacher, aber meine spanische Frau, die neben mir saß, vermutete, dass sich etliche Deutsche unter das Publikum gemischt hatten.

Sie selbst verfolgte die Geschichte von Toni Erdmann und seiner Tochter mit Anspannung. Sie konnte die Beziehung der beiden nicht glauben. Ein Vater, der sich seiner Tochter zuliebe zum Narren macht, eine Tochter, die mit ihrem Vater spricht wie mit einem Fremden, der sich ungehörig in ihr Leben mischt: Was ist das für eine Familie? „Das wäre in Spanien nicht denkbar.“

Spanier und Deutsche sind nicht so grundverschieden, wie es verbreitete Stereotype wollen, aber wenn es um die Familie geht, dann sind sie es doch. Nicht, dass sich spanische Familien nicht stritten, aber kein Streit geht so tief, dass er die familiären Bande selbst infrage stellte. „Toni Erdmann“ aber bezieht seine anrührende Kraft daraus, dass sich Vater und Tochter auch endgültig verloren gehen könnten. Der Film ist: eine deutsche Komödie.

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