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Die Wiege der Fakenews liegt nicht in Washington, sondern in Emsbüren.
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Die Wiege der Fakenews liegt nicht in Washington, sondern in Emsbüren.

Times mager

Fake-Büren

  • Bernhard Honnigfort
    VonBernhard Honnigfort
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Wie alt man wirklich ist, tut nichts zur Sache. Wahr ist, wenn gefeiert wird. Das ist der neue Geist aus Washington.

Wer bislang dachte, Fake News seien von einem groben älteren Herrn mit alberner Frisur und seinen Handlangern im Weißen Haus erfunden worden, muss umdenken. Wieder einmal ist das Emsland vorn, jener freundliche Landstrich entlang der niedersächsisch-holländischen Grenze, der auf Fremde unscheinbar und beruhigend wirkt mit seinen Backstein-Dörfern, aufgeräumten Bauerhöfen, Mega-Mastställen und Maissteppen, auf denen nun pünktlich zum Frühlingsbeginn Jugendliche mit Trecker-Ungetümen dahinbrausen, als gäbe es kein Morgen.

Es ist so: Eine genauere Prüfung des Emslandes hat ergeben, die Geschichte mancher Dörfer muss umgeschrieben werden. Alles Fälschung. Das wirft geplante Jubelfeiern über den Haufen, etwas, das Emsländer gar nicht mögen, weil sie gerne und am liebsten sehr oft jubelfeiern. Das Dorf Emsbüren, einigen bekannt wegen seiner exquisiten Musiktage im Herbst nebst Meisterkursen für Holzbläser, wollte in zwei Jahren ganz groß feiern, sich selbst und das 1200-jährige Bestehen. Aber: Nichts ist. Fake-Büren. Emsbüren ist gut 350 Jahre jünger als gedacht. Der Irrtum geht auf eine Urkunde aus dem Kloster Corvey zurück, in der Emsbüren erwähnt wird, die aber Humbug ist, so der Osnabrücker Diözesanarchivar Georg Wilhelm. „Die Urkunde ist völlig falsch, weil sie eine falsche Schrift hat. Diese Schrift stammt nicht aus der ersten Hälfte des 9. Jahrhunderts, sondern ist rund 150 Jahre später anzusiedeln. Die ist ein Fake.“

Wären die Emsbürener charakterlich aufgestellt wie der albern frisierte Mann in Washington, sie würden alles den Schweden, Mexikanern oder Angela Merkel in die Schuhe schieben und in zwei Jahren auf Teufel komm raus feiern. Aber so sind die Leute dort nicht. Die Party steigt erst 2031, dann nicht für 1200, sondern nur 850 Jahre Emsbüren. Bis dahin behilft man sich mit Kirmes, Kaltblutrennen und Weihnachtsmarkt.

Kaum war die große Emsbürener Fälschung aufgeflogen, folgte Freren. Das liegt nicht weit weg und kommt dummerweise auch in der Urkunde vor, die keine ist. Wahrscheinlich sind Emsbüren und Freren nur der Anfang. Womöglich ist das ganze Emsland gefälscht und müsste bei Null anfangen. Aber wo ist Null? Frerens Bürgermeister Klaus Prekel pfeift drauf. Er will 2019 Party, egal ob 1200 Jahre alt oder nicht. Gefeiert werde, weil man sich wie 1200 Jahre fühle, sagt er. Was in der Umkehrung bedeutet: Wahr ist, wenn gefeiert wird. Das ist der neue Geist aus Washington. Make Freren old again. Sich ein Gründungsdatum erfühlen und einen Korn drauf trinken: Nich’ lang schnacken, Kopp in’n Nacken.

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