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Times mager

Ey

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Das Radfahren zwischen Nichtradfahrern führt immer wieder zu spannenden Konstellationen und Konfrontationen.

Zum Spocht. Rund ist zurzeit zwar vor allem der Ball, aber nicht nur er, denn in vier Wochen beginnt auch die Tour de France im, äh, nordenglischen Leeds, Grafschaft Yorkshire. Da zeigt sich die völkerverbindende Wirkung des Radsports, zumindest bei jenen Völkern, die sich trotz (oder eher wegen?) fortgeschrittenen Blutdopings noch dafür interessieren.

Wir verzichten an dieser Stelle auf namentliche Aufzählung der verbliebenen Radsportfans und gehen direkt in die Vorbereitung. Eine Firma mit dem appetitlichen Namen Cyanide hat „erste Informationen zum kommenden Le Tour de France 2014 bekanntgegeben“, wie man liest: „Zu den neuen Features zählen beispielsweise Fahreranimationen“, als ob das nicht jedes Jahr der Fall wäre. Auch wenn es sich bei dem giftigen Produkt um ein Computerspiel handelt.

Der im wahrsten Sinne ehemalige Toursieger

Ganz in echt und schnell, wie man ihn kennt, hat sich Jan Ullrich vorbereitet: Der im wahrsten Sinne ehemalige Toursieger baute unter dem Einfluss verbotener Substanzen einen Unfall – auf gleich vier Rädern. Derweil trainierte in Bodenheim am Rhein ein 49 Jahre alter Radler auf der Autobahn 60, bis ihn Beamte in einer Haltebucht an der Anschlussstelle zur A  671 aus dem Verkehr zogen. Der Mann hatte 1,99 Promille Alkohol im Blut, meldet die Polizei, und „wusste nicht mehr, wo er sich befand“.

Für ihn dürfte Le Tour erst einmal gelaufen sein. Andere arbeiten verbissen auf den Saisonhöhepunkt hin, nicht nur im sponsorengesprenkelten Biker-Leibchen, auch mit Einkaufskorb hinten drauf. Nie war die Dichte an Radfahrerinnen in heimischen Erholungsgebieten so hoch, die während der Annäherung von hinten klingeln und dann beim Vorbeifahren motzen. “… grmbl … gefälligst mal Platz machen …“

Das belebt die Diskussion über die ewig junge Frage: Ist es ein freundlicher Zug des Radfahrers, sich dem Spaziergänger rechtzeitig akustisch anzukündigen, auf dass jener nicht vor Schreck in den Bach springe? Oder dient das Signal einzig dazu, dem hurtigen Radler den Weg freizuklingeln – nach der Devise: Soll das Fußvolk doch in die Rabatten hoppeln? Und was tut der radlose Passant? Bedankt er sich fürs Signal oder jagt er Hedda Merckx ein paar Schimpfwörter hinterher?

Das Problem wird sich wohl selbst in Yorkshire nicht zur internationalen Zufriedenheit lösen lassen. Einfacher ist es offenbar, wenn Rollende unter sich sind: „Langjährige Untersuchungen haben ergeben“, schreibt Konrad M. in seinem Blog: „Ein prägnant gebrülltes ,Ey‘ ist bei Autofahrern in jedem Fall wirkungsvoller als die reine Fahrradklingel.“

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