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Times Mager

Experiment

  • VonHans-Jürgen Linke
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Die EU-Kommission hat drei genetisch veränderte Maissorten für den öffentlichen Anbau zugelassen: Die Menschen verändern sich gern - in grüne Drachen oder gelbe Kürbisse. Von Hans-Jürgen Linke

Vor ein paar Tagen konnte man sich, bei vorhandener Sensibilisierung, schockieren lassen darüber, dass die EU-Kommission drei genetisch veränderte Maissorten für den öffentlichen Anbau zugelassen hat: MON 88017 und MON 89034 von Monsanto sowie 59122xNK603 von Pioneer. Auf den freien Markt also mit dem genetisch manipulierten Mais, soll er zusehen, wie er sein Terrain erobern und halten, wie er die alten, konventionellen Maissorten unterwandern und verändern kann. Das Experiment im landwirtschaftlich-technischen Labor ist beendet und wird in die Agrarwirtschaft verlegt.

Und während man, von bösen Ahnungen umwölkt, die Straße entlang geht und über das Widerstandspotenzial des Ursprünglichen und Naturhaften sinnt und über die komplexen philosophischen Implikationen solcher Gemeinplätze, wird man am helllichten Tag von einer rätselhaften Erscheinung heimgesucht: eine Tablette. Sie geht auf zwei Beinen und kommt den Pasanten entgegen.

Es handelt sich natürlich nicht um die Vertreterin einer neuen Generation von Geriatrika, sondern um einen Menschen, der in einem Tablettenkostüm Reklame läuft für eine neu eröffnete Apotheke gleich um die Ecke. Er hat sich hoffentlich freiwillig verkleidet und bekommt hoffentlich eine Menge Geld dafür, dass er seine Menschenwürde vorübergehend an den Nagel zu hängen bereit ist, um, im Tablettenkostüm immerhin hinreichend anonymisiert, seinen Mitmenschen die Vorzüge pharmazeutischer Produkten kund zu tun.

Unterdessen gibt es kaum noch ein Fußball-Stadion, in dem nicht samstags Menschen als grüne Drachen verkleidet herum laufen oder mit Maskottchen-Applikationen wie Löwen-Schwellköpfen. Und dann ist plötzlich Halloween, früher hieß der Tag Allerheilligen und heißt in einigen Landstrichen immer noch so, und viele Menschen haben plötzlich das Bedürfnis, sich als zähnefletschender Kürbis zu verkleiden oder als Vampir oder sonst etwas Gruseliges.

So verdichtet sich im Herbst eine ferne Ahnung, dass das Bedürfnis, ein Anderer zu sein und sich kontrafaktisch als solcher zu präsentieren, in unseren Genen verankert sein könnte. Mehr darüber nach dem 11. November.

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