Manches auf der Welt kommt zu uns.
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Manches auf der Welt kommt zu uns.

Times Mager

Ewig

  • Thomas Stillbauer
    vonThomas Stillbauer
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Von Schlussakkorden und Langlebigkeit, Gitarrenhelden und Miezekatzen.

Manches auf der Welt kommt zu uns und müsste von Rechts wegen für immer und ewig bleiben. Dazu gehören Miezekatzen, Schatten und Vogelwohnraum spendende Bäume, 22 Grad tagsüber, ein globaler kräftiger Regenguss jede Nacht zwischen 2 und 3 Uhr Ortszeit, Rosenkohl sowie dieser eine Kartoffelschäler. Er schält so gut wie sonst nichts unter der Sonne und der Küchenlampe.

Leider sind jedoch nicht nur Dinge endlich, sondern sogar Götter wie der kürzlich verstorbene US-Musiker Edward van Halen. Sein Schlussakkord wurde hier in der Nähe schon ausführlich gewürdigt, dennoch muss es erlaubt sein, ihm noch ein kurzes Solo hinterherzuweinen.

Eddie, wie auch wir Schüler ihn aus der interkontinentalen Distanz kumpelhaft beschworen, Eddiiiiie (stellen Sie sich uns bitte auf dem blauen Teppich in einem von vornherein asbestverseuchten gymnasialen Neubau der frühen 70er Jahre kniend vor) spielte nicht Gitarre, nein, er vollbrachte Wunder, die kein Mensch auf der Gitarre vollbringen konnte. Hören Sie „Spanish Fly“ oder „Eruption“ oder „Cathedral“, und Sie verspüren das Metaphysische.

Oder der nicht ganz so kürzlich verstorbene Brite Andy Gill, ebenfalls der Sechssaitigen übermächtig, der keine technischen Unmöglichkeiten bewerkstelligte, sondern Räume öffnete als Magier seiner Band Gang Of Four: „Call Me Up“, „The History Of the World“, mitunter auch qualvoll. Das Ticket 1982 im Hammer-smith Palais kostete 3,50 Pfund. Das muss man sich heute mal vorstellen. Der Stil der Lieder verlor sich bei beiden, Andy und Eddie, irgendwann beim Erwachsenwerden ihrer Bands. Ihr Genius blieb.

Anderes kommt zu uns und verspricht gar nicht, bis zum jüngsten Tag an unserer Seite auszuharren. Oder unter unseren Füßen. Beispielsweise eine Personenwaage, von der bereits vor einiger Zeit hier die Schreibe war. Sie – beziehungsweise das Kaufhaus, in dem sie ihre ersten Lebenstage verbrachte – kündigte an, für die nächsten zwölf Jahre zu wiegen, was da komme, und das Ergebnis digital anzuzeigen. Ohne Batteriewechsel. Mit einer mysteriös langlebigen, nicht näher betitelten Energiequelle in ihrem Inneren.

Neuste Berechnungen ergaben, dass besagte Waage sich seit 22 Jahren in unserem Haushalt befindet, unsere Körper wiegt und Ergebnisse anzeigt, die durchaus plausibel erscheinen, ob uns das nun im Einzelfall passt oder nicht. Natürlich steigt man inzwischen mit einer gewissen Ehrfurcht morgens auf das unerklärliche Gerät, aber auch mit einer gewissen Furcht. Ob man sich wünschen soll, dass die Apparatur ewig bleibt, ist zuletzt immer fragwürdiger geworden. Die Personenwaage heißt Korona.

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