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Autorin Eva Demskis.
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Autorin Eva Demskis.

Times mager

Eva Demski: Lernprozesse

  • Christian Thomas
    VonChristian Thomas
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„Frankfurt liest ein Buch“ ist längst zu einer Institution geworden - spannend auch in diesem Jahr wegen der Präsentation von Eva Demskis Roman „Scheintod“.

Es kamen Klagen. Denn es war ganz offensichtlich eine Streitsache. Unter der Überschrift „Konspirative Klamotte“ wurde das Buch verurteilt in einer damals sog. großbürgerlichen Zeitung von einem aggressiv gestimmten Rezensenten. Dagegen in einer antibürgerlichen Szenezeitschrift, dem „Pflasterstrand“, schrieb ein nicht weniger kämpferischer, allerdings sehr viel anders sozialisierter Rezensent: „Das Buch hat mir die Lust verleidet auf Leute, die auf den Parties sind, zu denen Eva Demski geht.“ Die Rezension war ein Medium, um das Buch eben nicht zu besprechen. Auch wenn der Roman „Scheintod“ Einsichten in das fallbeilartige Urteilsvermögen in Teilen der Szene Frankfurts verhandelte.

Für diejenigen, die lesen wollten, bestand die Chance, den Roman, als er 1984 erschien, als so etwas wie ein Plädoyer für eine radikale Subjektivität zu lesen, vorgebracht in scharfen Formulierungen, mit denen einer raunenden Subjektivität, damals neudeutscher Kult, der, nun ja, Prozess gemacht wurde, ob nun einem schwabbeligen Kauderwelsch oder einem sehnigen Revolutionsjargon.

Aber kein Lernprozess bei der Lektüre dieses doppelten Nekrologs: auf einen Geliebten, einen Anarchoanwalt, sowie nicht nur dessen Revolution. Vielmehr bloß Klagen im linken Identitätspan-optikum. Im „Pflasterstrand“ Nr. 181 wurde eingeräumt, dass sich „lange Zeit“ keine Rezensenten hätten finden lassen. Was sich im Keller aus dem Privatarchiv fischen lässt, sind, neben sieben, acht anderen Kritiken, allein zwei „Pflasterstrand“-Texte. Neben einer gezwungen wohlwollenden, denn die Alternativpresse wurde zum Urheber des Pro und Kontra, begutachtete die bereits zitierte zweite die kompromisslose Systemfeindschaft einer der beiden Hauptfiguren, „des Mannes“, eines Anwalts der Revolution, als überaus positiv. Wobei der Gutachter zugleich, ein juristisch ebenso fragwürdiges Verständnis wie ein literaturkritisch heikles (kriminelles?), als Kläger gegen die distanzierte Perspektive der Erzählerin auftrat.

Überwachen und Abstrafen. Der Autor, der mit den im Milieu gängigen Ausdrücken gegen Polizei, Justiz und Staat ausfällig wurde, reüssierte schließlich dennoch als Anwalt. So dass die Frage der Figur im Roman, „der Frau“, was in zehn Jahren sein werde, was in 20, was wohl nach fast 40 Jahren komme, dann doch nicht unbeantwortet geblieben ist.

In Eva Demskis „Scheintod“ (Neuauflage im Insel-Verlag) darf sich ein Milieu wiedererkennen, eine radikale Minderheit, über die in der diesjährigen Reihe „Frankfurt liest ein Buch“ verhandelt wird. An mehreren Sitzungstagen, von Anfang Juli an.

Demnächst mehr.

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