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Erlaubte Revolution ist doch langweilig. Wo bleibt da der Kampfgeist?

Times mager

Revolution

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Steht der Sieg des Marxismus-Leninismus unmittelbar bevor?  Zumindest die Marxistisch-Leninistische Partei Deutschlands hält an ihren Zielen fest. 

Die Revolution ist eine komplizierte Angelegenheit, und bei genauer Betrachtung sieht es nicht so aus, als stünde der Sieg des Marxismus-Leninismus unmittelbar bevor. Daran wird auch die Europawahl im Mai wohl nichts ändern, zum Leidwesen der Marxistisch-Leninistischen Partei Deutschlands, MLPD.

Wahrscheinlich sind die Avantgardisten der marxistisch-leninistischen Revolution gar nicht unbedingt der Meinung, den Umsturz durch Teilnahme an einer Wahl in der bürgerlich-imperialistischen EU herbeiführen zu können. Aber so ein Wahlkampf lässt sich sehr schön mit Agitation und Propaganda verbinden, und deshalb verkündet die MLPD an etwa 90 000 Laternenpfählen ihre Ziele, die noch höher hängen als die Plakate.

„Diesmal radikal links!“, „Echter Sozialismus!“, „Die antikapitalistische Alternative“ (ohne Ausrufezeichen!) etc., das alles lässt an Klarheit nichts zu wünschen übrig. Aber an zwei Stellen, liebe Marxistinnen-Leninistinnen und Marxisten-Leninisten, müssen hier doch Einwände erhoben werden.

Erstens: Kümmern Sie sich mal um Ihre Genossinnen und Genossen auf der Schwäbischen Alb! Lesen Sie die „Rote Fahne News“ nicht? „Auch auf der Ost-

alb wurde heute plakatiert … Unsere Dreiergruppe war richtig schnell und hat es geschafft, in einer Stunde 36 Plakate an den Laternenmasten zu befestigen. Der proletarische Ehrgeiz entwickelte sich, denn die andere Gruppe war mit 30 Plakaten im Nachtrab, ganz souverän haben wir denen dann geholfen.“

Ist es wirklich gut, aus dem solidarischen Plakatehängen einen Wettbewerb zu machen, der doch dem bürgerlich-kapitalistischen Konkurrenzgedanken näher zu sein scheint als dem Aufscheinen der sozialistischen Zukunft in der schwäbischen Gegenwart? Man hätte sich auf der Ostalb ein Beispiel an Münster nehmen sollen: „Einer unserer Trupps stieß bei der Plakatierung auf ein ehemaliges Mitglied der KPD/ML, welcher sich für unsere Plakate sehr interessierte.“ So sieht revolutionärer Optimismus aus!

Der zweite Einwand betrifft den Text „Revolution ist kein Verbrechen! Weg mit §129 a/b“. Klar, der erwähnte Paragraf („Bildung einer terroristischen Vereinigung“) ist selbst aus bürgerlich-rechtsstaatlicher Sicht doof. Aber ist die Forderung, das System, das ihr revolutionär zu besiegen gedenkt, solle euch eure Revolution erlauben, nicht ein wenig defensiv? Der Staat als Agentur der Kapitalisten, die künftig (nur sinnbildlich!) dort hängen werden, wo jetzt eure Plakate hängen, soll euch die Genehmigung zu seiner Entmachtung erteilen?

Ehrlich gesagt: Sehr sportlich klingt das nicht. Hoch die internationale Solidarität!

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