1. Startseite
  2. Kultur
  3. Times mager

Etwas Abschied

Erstellt: Aktualisiert:

Kommentare

Eintracht-Maskottchen Attila wechselt nicht nach Berlin.
Eintracht-Maskottchen Attila wechselt nicht nach Berlin. © imago/Jan Huebner

Intendant Oliver Reese gibt seine letzte Spielplanpressekonferenz am Schauspiel Frankfurt, bevor er 2017 nach Berlin wechselt.

Jetzt, wo es für die Eintracht wieder eine Art von Chance auf den Klassenerhalt gibt – den Hauch einer Chance, quasi eine Chance –, ist es für den Moment wieder möglich, andere Wunden zu lecken. Denn jedem Abschied wohnt eine Traurigkeit inne, aber die meisten Menschen beurteilen das nicht so und ziehen ganz gerne einmal weiter (bloß nicht direkt nach unten, natürlich, um das an dieser Stelle noch einmal klipp und klar zu sagen).

Bei Oliver Reeses siebenter und vorletzter Spielplanpressekonferenz, 2015, war schon klar, dass er Intendant am Berliner Ensemble werden würde. Bei seiner achten und letzten, gestern, war es lediglich noch klarer. Auch sagte der möglicherweise schon vorher unfreiwillig scheidende Frankfurter Kulturdezernent Felix Semmelroth (CDU) schon einmal ein bisschen Ade, wobei er an sich natürlich nicht Ade sagte – noch rollt die vorletzte Spielzeit am Schauspiel Frankfurt, noch ist der Kulturdezernent im Amt –, wobei es dafür schon geradezu irre nach letzten Worten klang. Jedenfalls sagte er: Reese sei gut für Frankfurt gewesen. Reese habe den Frankfurtern ihr Theater zurückgegeben.

Reese habe mit seinen eigenen viele Zuschauer geradezu enthusiasmiert, so Semmelroth, namentlich mit seiner „Phädra“, und mit Michael Thalheimers „Ödipus“-„Antigone“-Doppel zu Amtsantritt geboten, was von Frankfurterinnen und Frankfurtern so lange ersehnt worden sei (tatsächlich hätte man damals dabei sein müssen, an diesem ersten Abend mit Constanze Becker und Marc Oliver Schulze). Reese habe ein Theater geboten, in dem etwas zu erleben sei, über das man sich ärgern könne, aber man wolle eben trotzdem hin. So Semmelroth nun sinngemäß, der viele Inszenierungen aufzählte. Das Schauspiel habe zuletzt die besten Besucherzahlen seit 1945 messen können, so Semmelroth wiederum wörtlich, in diesem Fall womöglich eher logisch als informiert. Selbst das Schauspiel wusste nichts davon, wusste aber, dass am Ende 255 Produktionen in den dann acht Jahren zu sehen gewesen sein werden, 300 zusammen mit der Box-Bühne, und dass die Zahl der Abonnenten seit Beginn der Intendanz um schon jetzt 165 Prozent gestiegen ist. Man könne das Haus wirtschaftlich und gesund an den Nachfolger übergeben, sagte der Geschäftsführende Direktor Jan Fischer. So dass es am Ende dann ganz gut war, dass Semmelroth sagte: Dies sei ja nicht die Verabschiedung. Und Reese sagte: Was solle man da noch sagen.

Es geht ja erstmal noch ein Jahr weiter. Ruhig Blut. Aber die Welt ist generell nicht gut zu Abschiedshassern.

Auch interessant

Kommentare