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Gerne etwas teurer: Erzeugermarkt in Frankfurt.

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Wir stellen in Frankfurt keinen Weihnachtsbaum mehr auf, lassen den Ebbelwei-Express nicht mehr fahren und verkaufen keine Grüne Soße mehr an Auswärtige!

Auf dem kleinen Erzeugermarkt wird freudig über die Bewohner der nahen Stadt hergezogen, deren Name hier nichts zur Sache tut. Auf dem dortigen Markt, so wird der Käsefrau in K. versichert, bekommt man einfach nicht diese Topqualität. Dafür ist es teurer. Und was dort alles „original“ heißt, obwohl doch jeder weiß, dass es von sonst wo angeliefert wird, die ungarische Salami aus Polen, die Frankfurter Würstchen (ups, jetzt haben wir den Namen der Stadt doch verraten) aus Neu-Isenburg. Immerhin, so hat die Beschwerdeführerin aus K. kürzlich gelesen und berichtet es nun der Schlange vor dem Käsestand, kommt der Frankfurter Weihnachtsbaum diesmal nicht Gottweißwoher (was das kostet!), sondern von irgendwo in der Nähe. Und ist bestimmt genauso schön, wenn nicht schöner. Aber wie man die Frankfurter kennt (dies mit dem Unterton eigener leidvoller Erfahrung), werden sie ihren Weihnachtsbaum demnächst aufstellen. Denn warten können sie ja auch nicht.

Aber bestimmt wäre es der Dame nicht recht, würde die Stadtverordnetenversammlung von F. beschließen: Wir stellen keinen Weihnachtsbaum mehr auf, lassen den Ebbelwei-Express nicht mehr fahren und verkaufen keine Grüne Soße mehr an Auswärtige – denn da kommen doch bloß noch mehr von denen und verstopfen unsere Straßen. (Und mit dem Wiederaufbau des Goetheturms lassen wir uns Zeit.)

Die Frankfurter könnten sich von Amsterdam inspiriert fühlen. Anfang November durfte die niederländische Stadt „Bierbikes“ endgültig verbieten – „Mehrpersonen-Fahrräder mit Bierzapfanlage“, mit denen beim Saufen durch die Straßen gerollt werden konnte. Ein Gericht stellte fest, dass „die Kombination von Verkehrsbehinderungen, unsozialem Verhalten und dem geschäftigen Stadtzentrum ein Verbot rechtfertigt“. So geschäftig ist dank 17 Millionen Touristen pro Jahr das Amsterdamer Stadtzentrum, dass im Oktober ein Verbot von (neuen) Themenläden erlassen wurde, die zuletzt regelrecht aus dem Boden geschossen sein müssen. Im Besonderen richtete sich der Erlass gegen „Ice Bakery“-Geschäfte, in denen sich alles um Nusscreme dreht (deren Name tut hier nichts zur Sache).

Dass die Amsterdamer ein N-Problem haben, überrascht vielleicht ein bisschen, gilt Amsterdam doch immer noch als die personifizierte Tulpenzwiebel. Allerdings kann man Tulpenzwiebeln nicht essen. Und Besucher müssen sich, wie die Zeitung „de Volkskrant“ richtig anführte, irgendwo die Kalorien reinhauen, mit denen sie sich und ihren Städtetrip am Laufen halten. Bier und auch Nusscreme fackeln da nicht lange.

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