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Times mager

Bob Dylan: Erste Platte

  • Sylvia Staude
    VonSylvia Staude
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„Bob Dylan’s Greatest Hits“: Gehört. Und gehört. Und gehört. Ein Wunder, dass diese Platte noch Rillen hat.

Am oberen Rand des Plattencovers (Rückseite) steht klein der eigene Name, in blauem Kugelschreiber und Fast-noch-Kinderschrift. Links davon ist gedruckt, in Versalien: „This stereo recording can also be played in mono provided a modern, lightweight pickup is used“. Mono? Stereo? Nun, es gab nur einen Plattenspieler im Haus, bei dem irgendwas auszutauschen oder einzustellen ohnehin nur der Vater eine Lizenz hatte.

Vorne zeigt das Plattencover einen jungen, wildlockigen Mann, er sitzt im Schneidersitz, er hält eine Zigarette, und der Zigarettenrauch kräuselt sich vor seiner dunkelbraunen Jacke. Man könnte meinen, er spitze fürs Foto die Lippen, aber die junge Frau wird in den folgenden Jahren zum Schluss kommen, dass er eigentlich oft so aussieht, als spitze er die Lippen. Links oben im Eck steht, knallrot unterlegt: „Nobody sings Dylan like Dylan“. Darunter noch mal „Stereo Can Also Be Played in Mono“.

„Bob Dylan’s Greatest Hits“ war die allererste Platte im Besitz des Teenagers – siehe blaue Unterschrift, damit es kein Vertun gab. (Was vorher war, vor der ersten Platte? Ein Kassettenrekorder mit Kabel zum Radio und Aufnahmetaste. Und lauter Songs, denen am Ende einiges fehlte, denn grundsätzlich quatschte der Radiomoderator rein.) Auf der Weihnachtswunschliste hatte „Bob Dylan“ oder wohl eher „Platte von Bob Dylan“ gestanden (denn was wussten die Eltern schon, wer Bob Dylan war). Nachdem er ausgepackt war, der Wildlockige (ein Engel, fürwahr), sang die junge Frau, schmetterte „Frooooohe ...“ und wartete auf morgen. Denn die erste eigene LP des Lebens musste mit Andacht und allein angehört werden.

Und gehört. Und gehört. Mono? Stereo? Egal. Ein Wunder, dass diese Platte noch Rillen hat. Vielleicht, weil rechtzeitig weitere folgten, eine Entlastung.

Mochten andere in der Klasse für Roy Black, Rex Gildo oder den uralten Peter Alexander schwärmen, die Teenagerin begann mit Bob Dylan Coolness (noch vor der offiziellen Erfindung der Coolness) und Englisch zu lernen. Letzteres blieb nicht aus, denn – Achtung, U-30-Leserinnen und -Leser – Songtexte konnten in der Schallplattenzeit, die man sich computertechnisch noch vor der Steinzeit vorstellen muss, keineswegs mit zwei Klicks im Internet gesucht werden. Und dann handelte es sich auch noch um einen Engel, der nuschelte & näselte.

Aber mögen auch die Textlücken groß gewesen sein wie Scheunentore, die Wörter, auf die es wirklich ankam, wurden mitgesungen aus Überzeugung: „mothers and fathers“ (murmelmurmel) „can’t understand“ (murmelmurmel) „for the times they are a-changin’“. Sie änderten sich dann tatsächlich, die Zeiten, nicht aber in diesem Fall der Musikgeschmack.

Rubriklistenbild: © AFP

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