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Groß? Klein? Komma? - Alles Korinthen.

Times mager

Erste

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Wer in Fragen der Groß- und Kleinschreibung sowie der Kommasetzung empfindlich ist, der wird schnell sehr einsam.

Die bizarr verformten Gehirne schreibender Menschen verfügen über die seltsame Eigenschaft, selbst die berührendsten Inhalte auf die Form ihrer Darbietung zu überprüfen. So kann es bei einem Satzanfang wie „Der Junge der wie durch ein Wunder gerettet worden war …“ passieren, dass eine Region des Schreiber-Hirns seinem Besitzer die Tränen der Rührung in die Augen treibt (Inhalt), während eine andere Region ihn genau im selben Augenblick denken lässt: Da fehlt ein Komma (Form).

Unter dieser Deformation leiden nicht alle schreibenden Menschen, sondern nur jene, in deren mentalen Stoffwechsel sich gern mal eine Korinthe mischt. Andere kommentieren fehlende Kommata und anderes mit den Worten „Es weiß doch jeder, was gemeint ist“ (oder schriftlich: „Es weiß doch jeder was gemeint ist“), was wiederum diejenigen mit den Korinthen bis zur Weißglut erbost.

Tatsächlich glich es ja einem Wunder, als die ersten der eingeschlossenen Jungen die thailändische Höhle verlassen konnten, auf die die ganze Welt schaut. Und so war die Freude groß, als die Zeitung unseres Vertrauens titelte: „Die Ersten sind raus“. Die andere Hirnregion aber, die mit den Korinthen, fügte sofort hinzu: Muss es nicht „Die ersten …“ heißen?

Kollege V., stellte sich später heraus, hatte es kleingeschrieben, Korrektor R. dagegen groß. Und man muss schon sagen: Irgendwie hat Korrektor R. den Duden und diese ganze Rechtschreibung auf seiner Seite, denn seit der „Reform“ geht die Sache so: Zahlen, die zum Substantiv werden, schreibt man groß. Punkt.

Andererseits begann, als das geklärt schien, in der Korinthen-Region ein ziemliches Murmeln, Murren und Rumoren. Soll es wirklich für immer damit vorbei sein, dass großgeschriebene Erste mehr leisten müssen, als die ersten/Ersten in einer Reihe zu sein, und sei es auch eine Reihe wundersam erretteter, tapferer Jungs?

„Die Ersten“: Müsste das nicht mindestens eine Versammlung von Olympiasiegern sein? Und wenn die thailändischen Jungs, bei denen es sich ja um eine Fußballmannschaft handelt, vor ihrem Ausflug nur Zweite geworden waren? Stellt die Schlagzeile „Die Ersten/ersten sind raus“ nicht in Wahrheit eine Verkürzung des Satzes „Die ersten Jungs sind raus“ dar (Sie ahnen ja nicht, wie wenig Text in so eine Schlagzeile geht), so dass gar nicht mehr die „ersten“ das Subjekt darstellen, sondern die „Jungs“, wenn auch unausgesprochen/-geschrieben?

Noch eine Frage: Wussten Sie eigentlich, dass solche Überlegungen den schreibenden Menschen, der sie anstellt, sehr einsam machen? Und was tut er dann? Wenn keiner mehr zuhört, schreibt er alles ins Times mager.

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