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Erscheinung

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Von: Bernhard Honnigfort

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Mancherorts hoffen die Menschen auf göttliche Erscheinungen.
Mancherorts hoffen die Menschen auf göttliche Erscheinungen. © Imago

Haben Sie am 17. März schon etwas vor? Um 16.30 Uhr soll in Unterflossing Gottesmutter Maria erscheinen.

Ein Tipp, falls Sie noch gar nichts vorhaben am Samstag, 17. März, 16.30 Uhr: An der kleinen St.-Laurentius-Kapelle in Unterflossing in Oberbayern erscheint Gottesmutter Maria. Sagt jedenfalls der Besitzer. Kommt nicht so häufig vor, ihr Erscheinen, deshalb könnte man da ja einmal hinfahren und gucken. Das Kapellchen gehört einem Herrn Otto Masszi, Ingenieur im Münchner Landratsamt, nebenbei Organist und Chorleiter. Er hat es vor Jahren gekauft und eigenhändig renoviert. Die Gottesmutter soll sich schon zweimal dort gezeigt haben, zuletzt im September 2017. Damals pilgerten ein italienischer Seher namens Salvatore Caputa und Hunderte in seinem Gefolge über die Alpen nach Unterflossing. Einige rochen Maria, ohne sie zu sehen. Sie verbreitet angeblich Rosenduft.

Herr Masszi meinte anschließend, er habe die Gottesmutter sogar ganz genau gesehen: Sie habe braune Haare, trage ein samtblaues Gewand.

Was sagt die katholische Kirche als Prüfbehörde für Erscheinungen aller Art? Das Erzbistum München und Freising schlägt Gläubigen vor, den Samstag doch anders zu verbringen als vorm Kapellchen des Herrn Masszi. Die Erscheinungen dort sind kirchlich nicht anerkannt. Es gibt ein Gutachten des Lehrstuhls Dogmatik und Ökumenische Theologie an der Ludwig-Maximilians-Universität in München. Darin werden die Erscheinungen als „äußerst fragwürdig“ bezeichnet. Das Papier kommt zum gleichen Schluss wie Gutachten der italienischen Diözesen Mantova und Bozen-Brixen: Seher Caputa sehe nichts. Er suche nur „öffentliche Anerkennung“. Also hat das Erzbistum M & F Priestern, Mönchen und Nonnen die Teilnahme untersagt, was aber für Unruhe sorgt.

Warum eigentlich Unterflossing? Und nicht noch einmal anerkannte Hotspots wie Lourdes (1858) oder Fatima (1917)? Es müsse diesmal unbedingt Oberbayern sein, will Ingenieur Masszi erfahren haben. Nicht wegen der beiden Ratzinger-Brüder, Joseph (Papst a. D.) und Georg (der Bruder vom Papst a. D.), die in der Gegend groß wurden. Eigentlich habe Maria andere Pläne gehabt. Sie habe nahe einer Privatkapelle auf dem Grund eines Bauern in Walpertskirchen im Kreis Erding erscheinen wollen. Aber der grantige Bauernsohn soll wegen der vielen komischen Leute auf seinem Hof einen Rappel bekommen, laut brüllend alle verjagt und dann mit einem Mistwagen die Zufahrt versperrt haben. Maria wiederum soll dann verärgert umdisponiert und über Seher Caputa das Erscheinen in Unterflossing arrangiert haben.

Noch was: Als Maria 2016 in Unterflossing sicht- und riechbar war, fiel Seher Salvatore Caputa, entrückt oder warum auch immer, in den Dreck, und als er sich erhob, ja, als er sich erhob, berichtete Ingenieur Masszi, da sei seine Hose völlig unverdreckt gewesen.

Ein echtes Wunder. Eltern draußen tobender Kinder würden es gerne auch einmal erleben.

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