Sollte irgendjemand mal auf die Idee kommen, diesen Maschinen anständiges Deutsch beizubringen, und sollte es sich je ereignen, dass diese Idee auch verwirklicht wird, dann wäre dieses Ereignis ohne Vorbehalt zu akzeptieren.
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Sollte irgendjemand mal auf die Idee kommen, diesen Maschinen anständiges Deutsch beizubringen, und sollte es sich je ereignen, dass diese Idee auch verwirklicht wird, dann wäre dieses Ereignis ohne Vorbehalt zu akzeptieren.

Times Mager

Ereignis

  • Stephan Hebel
    vonStephan Hebel
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Was Mailmaschinen auch sprachlich anbieten, sollte man sich nicht bieten lassen

Wissen Sie noch, wie das früher mit den Ereignissen war? Wenn es stark regnete zum Beispiel? Oder wenn jemand 18 wurde oder eine Zeitung 75? Oder wenn eine große Sängerin sich auf einer örtlichen Bühne die Ehre gab? Es war, um gleich mit der Antwort herauszurücken, so, dass sich Ereignisse schlicht ereigneten. Vorkamen. Stattfanden: Platzregen, Geburtstag, Konzert, egal.

Natürlich wurden manche Ereignisse auch früher schon von Menschen gemacht, das Konzert zum Beispiel. Aber für die Besucherin und den Besucher waren sie schlicht und einfach vorhanden, sie (die Besucherin und der Besucher) konnten (anders als beim Platzregen) höchstens entscheiden, ob sie daran teilnehmen wollten oder nicht. Und wenn sie wieder herauskamen aus dem Konzert und ganz laut „EIN EREIGNIS!“ riefen, dann war es (anders als der Platzregen) eben ein sehr schönes Ereignis gewesen.

Vor wenigen Tagen lud ein freundlicher Mensch zu einem von ihm selbstgemachten Ereignis, nämlich zu einer Geburtstagsfeier, die Einladung kam per Mail. Und jetzt wird es schwierig.

Die Mailmaschine fragte den Eingeladenen, wie er denn so zu reagieren gedenke auf das Ereignis, und sie gab auch gleich drei Möglichkeiten vor: „Ereignis akzeptieren“, „Unter Vorbehalt“ oder „Ereignis ablehnen“. Ehrlich gesagt: So geht das nicht.

Stellen Sie sich vor, Sie wären der oder die Eingeladene gewesen. Sie hätten durchaus Sympathie für das Ereignis empfunden, um im Sprachstil der Mailmaschine zu bleiben. Sie hätten also das Ereignis sozusagen durchaus akzeptiert, und zwar ohne Vorbehalt, aber Sie hätten nun mal keine Zeit gehabt, und nun hätte Sie die Mailmaschine gezwungen, dieses Ereignis entgegen Ihrer Überzeugung und unter Missachtung Ihrer realen Möglichkeiten „abzulehnen“, obwohl doch ganz klar war, dass es auch ohne Sie stattfinden würde.

Es ist eigentlich schade, dass man zum Platzregen nie von einer Mailmaschine eingeladen wird. Das wäre durchaus zu begrüßen, denn dann könnte man ohne Umschweife bekunden, dass man dieses Ereignis rundheraus ablehnt, ergänzt vielleicht durch den Hinweis, dass man den Flüssigkeitsbedarf der Natur durchaus anerkennt, aber lieber als ordentlichen Landregen oder so.

Noch besser wäre es allerdings, wenn Mailmaschinen nicht so unfassbar blöde wären, und das gilt für elektrische Terminkalender mit angeschlossener Mailmaschine ganz genauso. Sollte irgendjemand mal auf die Idee kommen, diesen Maschinen anständiges Deutsch beizubringen, und sollte es sich je ereignen, dass diese Idee auch verwirklicht wird, dann wäre dieses Ereignis ohne Vorbehalt zu akzeptieren.

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