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Eine der Abstufungen in der Skala der roten Farben: Erdbeerrot.

Times Mager

Erdbeerrot

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Vorschriften sind Vorschriften und Bürokratien sind meistens nützlich, im tiefsten Innern jedoch manchmal unbegreiflich.

Rätsel: Es ist rot, es hat Blaulicht und Martinshorn, es macht brummbrumm, wenn man es startet, an den Türen steht „Feuerwehr“. Was ist das?

Falsch, kein Feuerwehrauto.

Jedenfalls nicht in der Gemeinde Burg im Landkreis Dithmarschen in Schleswig-Holstein. Dort hat der Bürgermeister zwar vor 13 Jahren einen Mercedes Sprinter gekauft, ihn zum Feuerwehrauto umbauen lassen, genau gesagt: zu einem Ersthelferauto, das zum Unfall- oder Brandort saust, wenn was Schlimmes passiert ist. Oft schneller als der Krankenwagen. Etwa 90 Mal pro Jahr flitzte die Freiwillige Feuerwehr von Burg mit dem Wagen los. Sechs Mal musste er zum TÜV und kam anstandslos durch.

Doch nun passierte etwas, das sicherlich einmal als die „Große Dithmarscher Farbverirrung“ in die Geschichte des deutschen Feuerwehrwesens eingehen wird: Der Landkreis hat das Auto stilllegen lassen.

Es ist nämlich nicht rot genug. Aufmerksamen Burger Bürgern war ins Auge gestochen: Das Rot des Ersthelferautos ist etwas anders als das Rot der anderen Feuerwehrautos. Nicht sehr viel anders, nur ganz, ganz, ganz wenig. So wenig anders, dass man es nur sieht, wenn man zwei Feuerwehrautos nebeneinanderstehen hat. Knapp daneben ist auch vorbei. Es passierte, was passieren musste. Vorschriften sind Vorschriften und Bürokratien sind meistens nützlich, im tiefsten Innern jedoch manchmal unbegreiflich. Man prüfte den Lack eingehend, man legte Farbskalen an und fand heraus: Nach DIN 14502-3 dürfen deutsche Feuerwehrautos feuerrot (RAL 3000) sein oder leuchtrot (RAL 3014) oder leuchthellrot (RAL 3026) oder verkehrsrot (RAL 3020).

Das Burger Auto passt nicht zur erlaubten Farbskala. Es ist unübersehbar, aber anders rot, wenn auch nur ein Ideechen. Womöglich RAL 3018: erdbeerrot. Außerdem kam ans Licht: Die Gemeinde hätte den Wagen nicht einfach so umbauen dürfen. Kann ja jeder kommen. Der TÜV hatte zwar nie etwas auszusetzen, aber was heißt das schon.

Natürlich ist Bürgermeister Hermann Puck unglücklich. Er hat keine 30 000 bis 50 000 Euro für einen richtig roten Ersthelferwagen, der das falsch rote Auto ersetzen könnte. Der Landkreis bleibt hart: „Bürger im Kreis Dithmarschen sollen die Sicherheit haben, wenn sie ein Feuerwehrfahrzeug sehen, dass es sich auch um ein Feuerwehrfahrzeug handelt.“

Sicherheit ist immer gut. Nicht dass es in Burg mal brennt, die Feuerwehr rückt mit ihrem erdbeerroten Ersthelferwagen an, will helfen, wird aber von aufmerksamen Bürgern nicht durchgelassen, weil sie die Retter mit dem Pizzaboten verwechseln.

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